Fahrt in den Norden

Am nächsten Morgen nahm ich früh bei Vangelis im Hafen ein leckeres Frühstück ein, denn ich wollte den Fußweg hoch zum Kloster Chosoviotissa im Schatten machen. Das war aber nicht mehr möglich. Die Sonne knallte schon auf das Kloster und die lange Natursteintreppe. Das an den Felsen geklebte Kloster faszinierte mich total, der Aufstieg für einen alten Mann war aber brutal. Oft wurde ich überholt auf dem Anstieg und kam schließlich schweißüberströmt oben an. Der Blick nach unten entlohnte jedoch die Anstrengung.

Das Kloster war genial eng. Die Besucher bekamen Rakomelo und kaltes Wasser angeboten, wobei ich dankend das Letztere nahm. Es tat sehr gut und ich bekam ein zweites Glas. Die Ruhe in dem Kloster übertrug sich ein wenig auf mich, aber leider auch die Enge. Als der Besucherstrom kurz abriss, ergriff ich die Chance, auf der engen Steintreppe das Gebäude wieder zu verlassen.

Draußen war es windig und wegen der Reflektion am weißen Klostergebäude ein gleißendes „himmlisches“ Licht. Den Fußweg zum Parkplatz hinunter überstand ich, aber unten wischte mir der Mönch am Eingang mit einem Papierhandtuch den Schweiß von der Stirn. Ich bereute, kein zweites Hemd mit auf die Fahrt genommen zu haben.

Ich war gespannt, ob die Fahrt in den Norden genau so anstrengend wie die in den Süden sein würde. Doch es ging nur kurz hinter Chora in die Berge und dann am Meer eher nur bergab bis nach Aigiali.

Der Hafenort lag in einem kleinen grünen Tal. Ich setzte mich am Parkplatz ins nächste Kafeneion und erholte mich von den Strapazen des Klosterbesuchs. Die Sonne schien, ein leichter Wind ging und ich stellte schnell fest, dass Aigiali anders war als Katápola. Es war mehr Urlaubsbetrieb und so zog ich mich mit einem Tiropita vom Bäcker unter die Tamarisken am lang gezogenen Strand in den Schatten zurück. Sand und Wasser waren angenehm. Ich entspannte mich. Die Atmosphäre in Aigiali gefiel mir zusehends.

Als die Hitze zunahm, erkundete ich noch die Gegend. Ich fuhr hoch nach Tholaria. Auf dem Weg kam ich an einigen edleren Unterkünften vorbei. In Aigiali war bestimmt auch eine andere Klientel zu Gast. Von Tholaria aus besehen lag der zweite große Hafen der Insel beschaulich da. Ein schönes Bild. Der Ort selbst machte grad Siesta. Ich fuhr also wieder hinunter zum Baden.

Als es dämmrig wurde, kehrte ich auf der Rückfahrt zu einem Usaki im Kath‘odon in Chora ein. Der Alte, der auf Richis Seite dort immer sitzt, war nicht zu sehen. Nur wenige Besucher waren unterwegs, um nach Caps, Shirts oder Souvenirs zu sehen. Der Wind hatte nachgelassen. Es herrschte eine angenehme Ruhe in dem kleinen Ort.