Zwei Tage Donoussa

Ich habe Xristos tolles Buch mehrmals gelesen und Arions Begeisterung noch im Ohr, und fast jeder Inselfreak war schon da gewesen. Musste ich dann auch noch hin? Ach, egal. Da ich schon mal von Astypalea auf dem Rückweg nach Naxos war, ging ich in Agios Stavros früh am Morgen von Bord der BlueStar und war sofort von Licht, Wärme und dem Ort begeistert.

Loukas von den Makaresstudios nahm mich mit auf der Straße um den Ort herum nach Nea Stockholmi. Die Treppe hoch in das kleine Studio war ziemlich steil und ich hatte etwas Schwierigkeiten mit dem Koffer. Der tolle Ausblick auf das Meer und die Makaresinseln entschädigten aber voll für die Mühe. Ich trank Wasser und ließ den Begrüßungsrakomelo lieber stehen. Dann gleich los, ich nahm den Weg unterhalb der Anlage zum Iliovasilema und bekam ein frühes Frühstück. Ich ging barfuß über den Dorfstrand zum Bäcker hoch und holte mir ein Tiropita für den Nachmittag. Beim To Kyma saßen die ersten Frühstücker, ich ging weiter zu Poppis Minimarkt und kaufte Getränke ein. Der Dorfstrand lag voll in der Sonne und war genauso leer wie die kleine Beachbar. Da die Nacht kurz gewesen und es mir auf griechischen Schiffen schon immer schwer gefallen war zu schlafen, gönnte ich mir in meinem Zimmer eine frühe Siesta.

Dann machte ich mich auf den Weg zum Kedrosstrand, natürlich lief ich zur Kapelle Panagia Joannis hoch statt gleich die Straße zu nehmen bis zu den Treppen, die hinunter führten. Es war heiß geworden, ich ging über den Strand an den Nackten vorbei und suchte vergeblich nach einem Schatten.

Durch die Lücke in der Mauer fand ich den Weg zur kleinen Taverne und bestellte meinen ersten Frappé. Ich kam zur Ruhe und sah mich um. Zwei junge Griechen am Tresen mit Kaffee und Zigaretten, drei Italiener, die zu Mittag aßen und zufrieden aussahen und leise redeten, und ein Tisch mit Deutschen, deren Lautester aus dem Rheinland zu kommen schien und die halbe Taverne mit seinen Weisheiten unterhielt. Ich liebe ja Menschen, die das alte Griechenland in den höchsten Tönen loben und nichts Gutes am heutigen finden und trotzdem anscheinend immer wieder herkommen. Als es mir zu viel wurde, ging ich an den Strand und ließ mich im schmalen Mauerschatten nieder. Der Strand ist klasse, das Wasser war toll, nur die Frühjahrshitze nahm zu, und so machte ich mich um halb vier, als etwas Wind aufkam, auf den Rückweg.

Die Dusche in meinem Studio war toll, Griechenlands best. Ich genoss den frühen Abend auf dem Balkon, rätselte und döste und las und döste, sah Loukas beim Blumengießen und kleinen Seglern und der Scopelitis zu, die in den Hafen kamen.

Alles bereitete sich auf den Sonnenuntergang vor. Ich ging den kleinen Teerweg bis zum Iliovasilema, fand einen guten Sonnenuntergangsfotografierplatz und bestellte Moschari Kokkinisto. Die Taverne war gut besucht, das Essen war lecker, der Sonnenuntergang ergreifend schön. Ich saß danach noch lange auf dem Balkon und genoss die Ruhe und Stimmung dieser Insel und konnte sehr gut schlafen.

Und auch lange. Das Morgenlicht war wieder toll, der Blick auf den Hafen war klasse. So zog ich erst spät los und wollte diesmal weiter oben frühstücken und fand nach Loukas' Beschreibung in der Nähe des Sportplatzes das Symadoura. Ich war der einzige Gast und bekam ein leckeres Omelette und einen der teuersten Kaffees auf meinen Reisen. Wahrscheinlich musste ich ähnlich Oia auf Santorini den Blick oder das Kissen auf der Bank mit bezahlen. Die kleine Terrasse ist aber bestimmt einen Abendbesuch wert. Avrio.

Also ging es wieder hinunter und ich bummelte durch die Gassen des kleinen Dorfes und kam am Gymnasium vorbei und an den legendären Schlafstätten, bei Lonis oder dem Apospetiris. Leider waren das Inselboot und der Inselbus schon weg und ein Fußweg nach Kalotaritissa war mir zu beschwerlich. Dann lieber eine Siesta und danach zum Dorfstrand.

Dort war ich nicht der einzige, der ins saubere Wasser ging. Irgendwann kamen die ersten Fußgänger mit schnelleren Schritten, ein Zeichen dafür, dass die Scopelitis kam. Alles wie schon vor Ewigkeiten von Xristo beschrieben. Abends nahm ich dann noch mal „Musik und Tanz“ und Suzukakia und sann mit Nikos Gegas über griechische Elfchen nach.

Um 6 Uhr früh war es wunderschön hoch über dem Meer. Mir wurde klar, dass mich diese Insel schon in ihren Bann gezogen hatte, obwohl ich doch nur einen Bruchteil gesehen und erlebt hatte. Ich riss mich los und fuhr mit Loukas zum Anleger. Er verabschiedete sich schnell, denn er erwartete keine neuen Gäste. Und ich? Ich würde wiederkommen und erwartete, dass die Blue Star um die Ecke bog. Und da war sie schon.