Endlich wieder in Limni

Wie groß war unsere Freude, endlich wieder in Limni zu sein! Vier Jahre hatte es gedauert, bis wir zurück in unserer griechischen Lieblingsstadt waren. Nikos und Jannis freuten sich genauso wie Ramona und ich. Doch der Reihe nach. Diesmal erreichten wir Euböa erst auf Umwegen.

Ramona wollte nämlich gern noch mal mit der Glyfafähre fahren. Schön war, dass wir dadurch vom Festland aus hinter Chalkis von Skala aus Limni und Chronia und Rovies sehen konnten. Weniger schön hingegen war, dass die Fahrt sich zog und zog und zog. Die Mautgebühren erreichten so nach und nach 19 Euro. Und dann stellten wir fest, dass hinter den Thermopylen bei Lamia die Autobahn wieder zur Autostraße wurde. Baustellen hielten uns auf. Nach 35 Jahren Fahrten durch Griechenland war die damals geplante Autobahn immer noch nicht vollständig. Ernüchternd. Wenigstens war die Zufahrt nach Glyfa, die im Frühjahr 2009 noch Baustelle gewesen war, fertig. Jedenfalls bis kurz vor Glyfa, da war die alte schmale Straße wieder da.

Am Anleger lag auch nicht mehr die „kleine“ Glyfafähre, nein, eine neue viel größere brachte uns nach Agiokambos. Das Gefühl des Übersetzens auf unsere Lieblingsinsel stellte sich jedoch sofort wieder ein. Große Freude kam auf. Nun nur noch durch das Straßengewirr von Loutra Edipsos. Wieder eine neue Durchfahrt, an den Thermen vorbei und dann Richtung Ilia und Rovies.

Der Supermarkt in Rovies machte gerade auf. Der Ort wirkte leer. Einige Tavernen sahen zu aus, oder sollte immer noch Siesta sein? Wir kauften Wasser und Mythos, Jogurt und Früchte und fuhren nach Chronia. Die Straße war wenig befahren. Chronia war fast autoleer. Die Pensionen machten Anfang September einen verlassenen Eindruck. Unser Schlüssel steckte in der Tür und nach einem Gespräch mit Sulli und einigen Telefonaten bezogen wir dann unser Domizil in Chronia mit der tollen Lage und dem herrlichen Blick auf das Meer und das Festland in der Ferne. Wir packten aus und ich ging beim Haus gleich ins Wasser. Schön, wieder da zu sein. Maria hatte Wasser, Saft und Obst in den Kühlschrank gestellt. Wir freuten uns sehr.

Abends fuhren wir nach Limni und gerieten am 8.9. mitten in das Fest der Dorfheiligen. Leider hatte ich die Kamera zu Hause gelassen und konnte den Umzug nicht aufnehmen. Nikos und Jannis und Evi freuten sich sehr, denn wir waren vier Jahre nicht da gewesen. Nikos hatte das Platanos erweitert um die Ouseri nebenan. Dadurch gab es mehr Plätze. Luisa, die neu im Team war, erklärte, dass der Betrieb nun das ganze Jahr geht, denn die Ouzeri hat auch innen Plätze. Es gab kein Moussaka an diesem ersten Abend, aber wahnsinnig leckere Paputsakia, die  uns nirgendwo besser schmecken als im Platanos. Natürlich mussten wir auch Spieße essen, der gleiche vertraute Geschmack wie vor 35 Jahren. Es wird kaum jemand glauben, aber als wir gradfertig werden, setzte am Yachthafen das Feuerwerk zu diesem Fest ein. Viele Gäste standen auf und applaudierten. Wir waren wieder da.

Das Cafe Giannaros neben dem Platanos erwartete uns am nächsten Morgen zum Frühstück, weil ich zu faul gewesen war, Brot zu holen und Frühstück zu machen. Außerdem hatte ich Kopfschmerzen vom Rosé vom Vorabend und Ramona hatte sich nachts im Dunkeln den Zeh gestoßen. Kein schöner Morgen, dazu kein frisches Brot im Café, nur Baguette und Toast mit Chips. Also morgen wieder selbst Frühstück machen. Zwei Frappé Paketo und auf zum Herakles. Die Sonne schien, der Strand war fast leer, am Rand ein Wohnmobil, in der Nähe ein Zelt. So verlassen kannten wir den Strand nur von Ostern. Doch bei dem schönen Wetter fanden wir es sehr angenehm. Was für ein Unterschied zu Naxos und Milos!

In Limni war es dann abends nur noch halb so voll wie am Vortag. Das Moschari war lecker und der Kuchen im To Neon danach auch. Auf unserer Terrasse schauten wir aufs Meer, guckten die Milchstraße und überlegten, ob wir länger bleiben sollten oder lieber im Herbst noch nach Rhodos reisen.Nach unserer Rundfahrt machten wir einen Halt am Kochili. Hier war es früher im Sommer immer voll gewesen und ziemlich schattenlos. Die alte Disco aus den Achtzigern war zu einem Cafè mit Liegen am Strand geworden. Lakis erzählte, dass es die letzte Woche wäre, drehte die Barmusik etwas herunter und brachte uns 2 Frappèdes. Ramona fand einen guten Ankerstein und ließ die Luftmatratze zu Wasser. Sie war glücklich und genoss das Gefühl, wieder auf den kleinen Wellen schweben zu können.

Nach einem Trip durch Nordeuböa verbrachten wir nun hier mehrere Vor- und Nachmittage, dösten, lasen, schwammen und sahen Schwärmen fliegender Fische zu. Hin und wieder tauchten abends zwei Delfine in der Bucht vorm Haus aus. Die Abende bei Platanos waren fast wie früher, nur etwas kühler, je länger wir blieben. Am Wochenende füllten sich Strand und Paralia etwas, montags waren sie wieder leer. Das Essen war wie immer lecker und wir waren immer entspannt. Bis dann gegen Ende doch die Mücken eintrafen und ein wenig Unruhe nach Chronia brachten.

Wir waren etwas verwundert, dass man am Tag nach dem Fest abends mit dem Wagen die Posidonos hin und wieder zurück fahren durfte und nicht das Einbahnstraßensystem vom Sommer nehmen musste. Als ich die Kanalion hoch zum Parkplatz vor der Polizei fahren wollte, ging nichts mehr. Ein großer Markt hatte aufgemacht mit vielen Ständen und Buden und versperrte die Durchfahrt. Hier war nun abends viel Betrieb, als ob die Limnianer vor Weihnachten noch dringend einkaufen mussten.

Morgens holte ich Brot aus Rovies und entdeckte die rummeligste Mopedwerkstatt, die ich je gesehen hatte. Doch das Brot aus Limni schmeckte uns noch besser, gleich nebenan war ja auch der „alte“ Obstladen, doch in neuem Glanz und mit Registrierkasse und leckeren Trauben für unseren Früchtejogurt. Ich machte meinen Spaziergang durch das morgendlich ruhige Städtchen und "Fotos fürs Archiv".

Auf dem Weg zurück hielt ich kurz hinter dem Friedhof an. Dort war im letzten Jahr ein neuer „Dorfplatz“ entstanden mit Ausblick aufs Meer und einem kleinen Amphittheater für Auftritte. Limni verändert sich.

Wir verließen Kochili und wurden wieder einsame Strandgäste am Herakles. Um die Ecke hatte in Rovies das „West“ noch offen, so dass wir immer an gute Frappèdes kamen.

Eines Nachmittags bewölkte sich der Himmel und wir setzten uns in die Strandbar und nahmen Kontakt zu einer zutraulichen Heuschrecke auf, die unseren Tisch besuchte. Sie ließ sich durch die Musik aus den Lautsprechern und durch mein Hantieren mit der Kamera nicht stören, sondern genoss unsere Gesellschaft. Abends hörten wir in der Ferne Donner, über dem Festland gab es Wetterleuchten, es wurde kühler. Besser im Platanos Muscheln und Oktopus und den letzten Kuchen im Giannaros zu essen. „Black Forest“ nannte ihn Maria mit einem Zwinkern.

Wir packten unsere Siebensachen und ich nahm ein letztes Bad im Chroniameer. In Rovies schauten wir nach neuen Zimmern direkt am Meer und in Limni bei Graegos für das nächste Jahr. Dort kamen wir mit Antje ins Gespräch über die Schule hoch über der Stadt und die Kinder in Limni, die uns im Vergleich zu früher etwas schwergewichtiger erschienen. Fastfood und mangelnde Bewegung – ein Schulbus bringt sie vom Hafen hoch zur Schule und zurück – haben Einzug gehalten. Die Schule liegt hoch über Stadt, nur der Fußballplatz ist noch steiler oben zu erreichen.

Wir aßen ein letztes Mal im Platanos, packten zwei Paputsakia für Jannis ein, verabschiedeten uns von Evi und Jannis und machten uns bei 25 Grad auf die Rückfahrt durch die Berge. Die Straße war gut zu fahren, nur in Nea Artaki wurde gebaut und der Verkehr staute sich. Auf der Autobahn hinter Chalkis sahen wir schon die dunklen Regenwolken im Süden. Bei 15 Grad und Starkregen fuhren wir ein in Athen und hindurch. Dann kam wieder die Sonne heraus und am Flughafen hatte es wieder 26 Grad. Eine wenig nette Überraschung brachte dann das Einchecken. Was wir in Athen lange nicht erlebt hatten, erwischte uns nun: griechisches Chaos. Eine Frau fertigte ab, drei Frauen und zwei Männer schauten zu, und mit deutlicher Verspätung ging es dann nach Hause. Wir hätten noch länger bleiben können. So unterschiedlich waren unsere Aufenthalte auf Naxos, Milos und Euböa gewesen. Und uns war klar, nach Limni müssen wir nächstes Jahr wieder!