Fahrt durch Nordeuboea

Es kündigte sich ein bedeckter Tag an. Wir entschieden uns, die Strandsachen in den Wagen zu packen. Vielleicht würden wir sie noch brauchen. Doch erst einmal wollten wir uns auf die Suche nach der geheimnisvollen Fähre nach Skopelos machen. Bisher kannten wir jedenfalls keine Fähre außer denen auf das Festland. Wir fuhren von Limni durch das grüne Bergland Nordeuböas auf einer breiten Straße Richtung Strofilia. Dort bogen wir rechts ab und kamen bald in Mandoudi an und sahen die Schilder, die das Ferryboat ankündigten. Wir bogen ab, Richtung Limani, die Straße wurde immer schmaler. Hier sollte ein Hafen sein?

Nach einigen Kilometern gelangten wir an eine riesige nagelneue Mole. Zwei Angler erklärten uns, ja, abends würde eine Fähre nach Skopelos fahren. Ja, seit einem Monat. Am Tickethäuschen stand nichts, keine Fährzeiten, keine Preise. Mysteriös.

Ein paar Meter entfernt fanden wir in der einsamen Gegend drei kleine Kirchen und waren sicher, dass die Erbauer dieses Fährhafens hier vorher darum gebetet haben, dass ihr Anleger ein wirtschaftlicher Erfolg werden würde. Wir waren skeptisch. Zum Warten auf die Fähre aber ein geeigneter Ort.

Wir fuhren wieder zurück und dann die Nordschleife entgegen dem Uhrzeigersinn über Agia Anna bis nach Vassilika und Psaropouli, eine Gegend, die 'mesedes' allen ans Herz legt. Im September lag der Strand wie ausgestorben da. Wir stellten am Hafen den Wagen ab und gingen ins Atria, wo Nikos leckeren Frappé machte. Sein Kumpel Georgios war in Brake gewesen und so plauderten wir etwas vor dem schmalsten Kafeneion, was ich je besucht hatte. Nikos gab uns noch kleine Fläschchen Tsipouro mit, ein herzlicher Mensch.

Hunger hatten wir noch keinen, also fuhren wir weiter hoch in den Norden auf der Straße, die wir in den Achtzigern kennen gelernt hatten, als der „Highway“ Loutra – Limni noch nicht existierte. Hinter Artemisio bogen wir rechts ab nach Pefki. Dieser ansonsten rummelige Ort lag völlig ruhig da. Der große Parkplatz war fast leer, doch am Strand gab es Badegäste, aus dem östlichen Europa, wie die Schilder an einem Bus verdeutlichten.

Auf dem kurzen Stopp aßen wir die mitgenommenen Früchte und weiter ging es durch das

laubbaumgrüne Euböa nach Istiea. Wir wollten nicht durch die Stadt fahren auf der Straße, die

über Neos Pirgos nach Louta Edipsos führt, sondern suchten die Abkürzung Richtung Rovies.

Die einst neue Straße durch den Berg, bei manchem Griechen auch schon mal als Lidl-Highway

bekannt, waren wir früher schon mal gefahren zum Zahnarzt in Istiea. Wir waren erstaunt, wie

kaputt sie schon war, voller Wellen und Löcher am Rand. Dann setzte auch noch leichter

Nieselregen ein und ich fuhr langsam. Zum Glück war sehr wenig Verkehr. Als wir gegen halb vier

am Herakles ankamen, schien die Sonne wieder und wir genossen Strand und Meer.

Nach dem Duschen bekamen wir auf unserer Terrasse als besonderes Schauspiel das Springen von zwei Delphinen geboten, die man immer mal wieder im Evoikos Kolpos sieht. Leider sind sie zu schnell wieder verschwunden für meine Kamera, doch solche Glücksgefühle speichern wir in Kopf und Herzen.