In Limni nach 40 Jahren

Nach 40 Jahren noch mal nach Nikiti und Limni, das war unser Septemberziel. Mit dem Auto. Kein Autoput, dann lieber fliegen und in Athen starten und von Süden nach Norden fahren, mit kleinen odysseenhaften Episoden. Schon in Hannover am Flughafen hätten wir erkennen können, dass einiges anders laufen würde als wir erwarteten. Da der ganze Flugverkehr wegen Umbauarbeiten über Terminal A abgewickelt wurde, sahen wir beim Einchecken eine hundert Meter lange Schlange vor der Sicherheitskontrolle – so wie früher in Athen. Und dann brachte uns ein Bus zum Flugzeug – und das in Hannover! Ich kam mir vor wie in Griechenland.

Die Ankunft dort war easy, schnell den Wagen abgeholt und los Richtung Chalkis, vor Athen die erste Mautstelle. Insgesamt würden wir 29 Euro in den zweieinhalb Wochen ausgeben, meist berechtigt, denn neue Tunnel oder große Brücken hatten ihren Preis.

Nach einem kurzen Frappéstopp in Nea Artaki ging es weiter in Richtung Berge. Die bei Psachna abgebrannten Bergrücken sollte ich nicht fotografieren. Ramona meinte, ihr würden die Bilder hinter Limni von 2016 reichen. Im Berg kamen wir gut voran, bei mehreren Steigungen war eine zweite Spur gebaut wurden. So waren wir am frühen Abend in Rovies, wo wir von Stavroula und Jannis in ihrem Haus am Meer herzlich begrüßt wurden. Die Sachen ins Zimmer mit Terrasse und dann schnell ins Wasser. Es war eine Erfrischung, denn Ende August war es hochsommerlich warm. Gut, dass der Wagen eine Klimaanlage hatte. Wenn ich da an früher denke, mit dem R4 in der Hitze durch die Griechenland...

Als es dunkel wurde, fuhren wir nach Limni. Durch das schmale Einbahnstraßensystem ging es zum Parkplatz unterhalb der Polizei. Die Cafes und Tavernen waren gut besucht. Beim Platanos suchten wir vergeblich nach Nikos. Evi sah uns sofort und freute sich. Nikos sei diese Saison zuhause und kümmere sich um das Zimmergeschäft, sein Bruder Georgios um das Platanos. Wie wir dann feststellten, war es eher der junge Jannis, der organisierte und kassierte. Wir trafen Nikos' Tochter Kyriaki mit ihrer groß gewordenen Tochter, Stavroula war in Athen, und der alte Jannis hatte wohl eine Freundin, denn er trug die Haare lang. Wir bekamen das letzte Pastizio des Tages und bestellten zum Atomiki noch Spieße. Auch der langjährige „Griller“ war durch eine junge Frau ersetzt worden. Limni mag immer „die Alte“ bleiben, aber es verändert sich doch.

Morgens machten wir uns leckeres Frühstück mit frischem Sesambrot, Eiern und Joghurt mit Früchten. Am Kohilistrand war es erstaunlich voll. Außer dem Liegen vor der Bar gab es zwei weitere Bereiche in Richtung Bootsbau, die auch schon gut besucht waren. Also fuhren wir zum Heraklesstrand zurück, wo ich meinen Faltstuhl unter den Strandpinien aufstellte, einem vertrauten Platz. Ramona suchte sich einen Ankerstein, band ihre Luftmatratze fest und genoss die sanften Morgenwellen in der Bucht. Ich besorgte noch Tiropites und Frappé und wir blieben bis um fünf. Neben uns standen Zelte und Wohnmobile aus GR, I und D.

Abends ließen wir den Wagen oben stehen und nahmen die Treppen hinunter zum Hafen, alles immer noch sehr vertraut, nur die alte Ouzeri war dicht. Wie so oft schon erlebten wir die Ankunft des Abendbusses und die Rangiererei zwischen falsch geparkten Autos und die Freude über ankommende Freunde oder Angehörige. Wir kauften bei Roussos Humus ein zum Frühstück, aßen dann das leckere Limnimoussaka und im To Neon am Wasser ein Stück Kremkaramelkuchen zum Frappé und Espresso.

An den nächsten Tagen holte ich Brot und saftige Tiropites in Rovies bei den Bäckerinnen an der Hauptstraße. Am Strand war es morgens etwas windig und unser Schattenplatz voll belegt, so dass wir wechseln mussten unter die hohen Bäume neben einen alten griechischen Dauerwohnwagen. Das Essen im Platanos war abends gut wie immer und der Ekmek im dunklen Gewimmel bei Giannaros nebenan echt lecker.

Auch morgens hatte sich im Ort nicht viel verändert. Beim Bummel genoss ich die Ruhe in dieser Stadt. Es ist immer wieder schön, einfach nur da zu sein. Und nun war sogar Chronia, das frühere Dorf ohne Namen, ausgeschildert. Doch wer sollte hier Reisen nach Venedig oder in die Toskana buchen?

Ich musste schmunzeln und fuhr auf dem Rückweg nach Rovies noch auf unserem alten Platz aus den Zeltreisen vorbei. Den hatten griechische Familien besetzt, die es sich gut gehen ließen.

Weil sonntags der Verkehr auf den Autobahnen nicht so stark ist, verließen wir Rovies früh. Stavroula und Jannis waren gute Gastgeber gewesen und hätten wir gewusst, was uns in Nordgriechenland erwartete, wären wir sicher noch etwas länger geblieben. So ging es durch das Straßengewirr von Edipsos hindurch nach Agiokambos. Schon auf der Fähre hatten wir Gedanken von Verabschiedung von Euböa. Ein letztes Mal in Glifa ankommen? Man wird sehen.