Hydra – Bühne, Baden, Betoneisen

An einem sonnigen Julisonntag setzen wir bei Galatas über nach Poros. Die Insel liegt so nah, da würde sich fast eine Brücke lohnen. Im Hafen ist es sehr geschäftig am Morgen. Hunderte von Kadetten in weißen Uniformen flanieren mit ihren Familien die Straßen hoch und wieder hinunter und besetzen die Cafes. Der erste Strand, den wir schnell anfahren, gefällt uns nicht. Also das Auto abstellen und noch schnell zwei Tickets kaufen für den Ein-Uhr-Flying-Dolphin zur Nachbarinsel Hydra. Wir fahren ein in ein Amphittheater mit Wasser. Die Zuschauer sitzen in den großen Hafencafes mit den riesigen Markisen und beobachten Boote, Schiffe, Menschen und Lastesel. Das Treiben verzaubert uns sofort. Wir haben Hunger. In einem Führer lesen wir von der Taverne Christina und Manolis. Wir finden sie zufällig nach zehn Minuten im engen Gassengewirr und sind glücklich. Es ist noch nicht viel los und riecht lecker aus der Küche. Christina führt uns auf die kleine Dachterrasse. Wir fühlen uns sofort wohl. Es fehlt nur noch, dass Leonard Cohen die Szenerie betritt, aber das wär wohl auch zu viel dieser Bilderbuchankunft in Hydra gewesen. Die Roulade, der Salat und der Tsatsiki schmecken sehr gut, wir versprechen wiederzukommen. Beim Bummel durch die Geschäfte im Hafenrund stellen wir fest, dass Hydra ein teures Pflaster ist. Nur eine rote Kette im Mai Tai, wo wir lange mit der Schweizer Inhaberin über das Leben auf Hydra reden, hat es uns angetan und fährt mit uns und dem Nachmittagsdolphin zurück nach Poros. Dort ist es kadettenfrei nun. Vielleicht ist das vorhin nur eine Fata Morgana gewesen. Wir trinken noch einen Frappé und setzen dann wieder über nach Galatas.

Zwei Jahre später entdecken wir Ermioni, und dass Dolphins früh morgens nach Hydra fahren. In Hydra ist es sehr warm. Also nur einen Frappé und dann nehmen wir das Wasserboot nach Vlychos. Das Baden am Kieselstrand ist erfrischend. Da gegen vier Uhr schon der Dolphin wieder zurückfährt, ist das Vergnügen nur kurz. Wir suchen Christina und Manolis und finden die Taverne nicht. Die Leute, die wir fragen, sind alle Touristen oder stellen sich dumm. Ärgerlich, schnell am Hafen das Mai Tai besuchen, ein Pita Gyros im Stehen und dann zurück nach Ermioni und nächstes Mal mehr Zeit mitbringen.

Wieder zwei Jahre später gibt es das Mai Tai nicht mehr. An der Mole werden Baustoffe ausgeladen und mit Eseln weggeschafft, ich übersehe vor dem Besteigen des Wassertaxis die Betoneisen auf den Pflastersteinen und reiße mir einen großen Zeh auf. Der Strand von Vlychos wird voll, ständig kommen kleine Boote. Die Wunde brennt im Salzwasser höllisch. Unter dem Strohschirm auf der Liege ist es aber auszuhalten. Wir beschließen, statt humpelnd Christina und Manolis zu suchen, gleich in Vlychos zu Mittag zu essen in der Taverna Marina. Das Bezahlen dauert mal wieder. Ein Wassertaxi bringt uns in letzter Minute zum Flyingcat. Er ist groß und fast leer. In Ermioni ist es noch immer sehr heiß. Wir verzichten auf die Siesta und fahren lieber nach Kouverta und baden am schwarzen Strand.

2010