Kos - Im Süden

Mastihari? Maria von enterprise, die uns den kleinen Corsa an den Flughafen gebracht hatte, schüttelte den Kopf. Kefalos wäre doch viel schöner. Viel schönere Strände. Viel mehr Natur. Viel bessere Tavernen. Eigentlich hatten wir erwartet, dass sie uns Kos-Stadt empfehlen würde. Kefalos klang gut. Also … dann auf nach Mastihari.

Ich war so froh, dass Ramonas Fuß den Flug gut überstanden hatte. Darum waren wir eigentlich nach Kos geflogen. Eine der ersten Nonstopflugmöglichkeiten von Hannover aus. Bekannte hatten den Kopf geschüttelt. Ich hatte argumentiert, dass es ja noch Mai ist. Da würde sich der Trubel doch in Grenzen halten. Die Sonne schien auf Mastihari. Der Sandstrand südlich des Hafens sah nett aus. Unter Tamarisken gab es Schatten. Die ersten Schirm-Liege-Batterien waren aufgebaut. Wir bummelten die kleine Promenade bis zum Traditional House, wo wir unbedingt essen sollten, hatte man uns ans Herz gelegt. Es war erst elf Uhr, noch kein Betrieb zu erkennen, darum zurück zum Café am Hafen, den ersten Frappé trinken. So beginnt Griechenland richtig. Der Frappé war klasse. Die Zimmersuche an der Straße hinterm Strand erwies sich hingegen als problematisch. Im Mai gab es schon nichts mehr mit Meerblick. Wie sollte das hier erst im Hochsommer aussehen?

Gut, dann eben doch Richtung Süden nach Kefalos. An der Straße hinunter nach Kamari, dem Strand von Kefalos, zeigte uns links ein Schild die Panorama Appartments an. Wir bogen ab. Der Ausblick begeisterte uns. Alle Zimmer hatten Meerblick. Hurra. Familie Diamantis hatte früher in Dortmund gelebt und führte nun dieses Haus hoch über der Bucht. Ähnlich hatten wir nur über der Vlichabucht auf Rhodos gewohnt.

Der lange Strand von Kamari reichte vom verlassenen Club Med bis zum Faros am Hafen. Er riss uns nicht von den Sitzen. Auch den ersten Choriatiki in einer kleinen Taverne am Hafen konnte man „abhaken“. Darum fuhren wir zurück zum Paradise Beach, einem langen Sandstrand, der schon gut besucht war. Das Meer hatte schon eine angenehme Temperatur. Wasser, Liegen, Strand, Leute, alles gefiel uns.

Abends gingen wir Moussaka und Muscheln Sanganaki essen im Stamatia am Ortsstrand. Außer uns war nur noch ein jüngeres Paar da. Das Essen war gut, wir bestellten noch Patates nach, superlecker. Die Nacht war dunkel, die Temperaturen waren angenehm.

Am nächsten Morgen genossen wir das Frühstück mit Blick auf die Bucht. Es war ausgezeichnet. Familie Diamantis hat Ziegen und Hühner. Der Käse und die Eier waren klasse, dazu noch eigener Thymianhonig. Besser ging es nicht.

Zum Baden fuhren wir auf die andere Seite der kleinen Halbinsel nach Limni. Stop. Limionas ist richtig. Wolken zogen auf, ein bedeckter Tag kündigte sich an. Am Strand waren wir meist allein. Mittags aßen wir leckere Mesedes in der Taverne Limionas oben über dem Strand. Eine Taverne, die man jedem Kos-Reisenden empfehlen kann. Ramona hatte gelesen, dass in der Nähe eine kleine Mühle „deutschen“ Apfelkuchen anbot. Man lebt nur einmal, also kehrten wir ein zum Kaffee. Wir werden eben älter.

Abends kamen zum Wind dunkle Wolken hinzu. Wir gingen ins nahe Katerina, saßen drinnen und aßen Suflaki. Draußen fing es an zu gießen. Außer uns und der Mama und ihrem Sohn war nur noch das Paar vom Vorabend da. Dann fiel das Licht aus. Einige Minutenlang aßen wir im Schein von zwei Petroleumlampen. Erinnerungen an frühere Zeiten mit Zelten und längerem Stromausfall auf Euböa kamen auf. Dann war der Strom wieder da. Alle lächelten erleichtert. Als Zugabe gab es leckeren Kuchen. Wir kämpften uns durch den Regen und fielen zufrieden ins Bett.

Am nächsten Morgen weckten uns warme Sonnenstrahlen und das blieb auch an den nächsten Tagen so. Kurz vor dem Paradise Beach führte eine Serpentinenstraße zum Camel Beach, Paralia Kamila. Wir wurden sehr freundlich empfangen, lagen faul unter den grünen Schirmen, lasen, badeten, dösten und blieben bis zum späten Nachmittag. Der Frappè war gut, das Meer freundlich und wir fanden einen guten Weg ins Wasser mit den neuen Badeschuhen, sodass Ramonas Fuß gut geschützt war. Ola kala.

Dann machten wir uns auf hoch nach Kefalos. Von Kamari aus fuhren wir den unzähligen Mopeds hinterher die Serpentinen hoch in den zweitgrößten Ort auf der Insel. Hier findet griechischer Alltag statt. Ein paar Fotos vom Fußballplatz an der Klippe, dann setzten wir uns ins kleine Kafeneion an den Ortseingang und sahen Mopeds und Leuten zu. Der frische Walnusskuchen war lecker. Wir nahmen nur ein Stück, um am Abend noch Appetit zu haben.

Kurz nach acht waren wir wieder im Limionas, um leckere Mesedes, Skordalia, Kalamari und Muscheln zu essen und den Sonnenuntergang zu genießen. Die Terrasse ist genial dafür. Einige wenige Paare waren da, unter anderem das von den Vortagen. Kefalos ist eben eine kleine überschaubare Welt. Im Dunkeln ging es vorsichtig zurück zum Panorama auf unseren Balkon.

Am nächsten Tag hatte Kamila hohe Wellen. Das Wasser erfrischte uns von der Hitze des Tages. Ein Sonnenbrand kündigte sich an. Lesen, dösen, baden, ein erholsames Programm. Wo gab es nur Moschari Kokkinisto, eines unser Lieblingsessen? Man empfahl uns das Syrtaki am Ortsstrand. Es liegt etwas versteckt, aber wir haben es gefunden, ein Riesenladen, im Hochsommer bestimmt brechend voll, an diesem Abend überschaubar. Und ohne das Paar, das uns „verfolgt hatte“. Der Wirt, der auch früher im Ruhrgebiet gewesen war, freute sich und brachte eiskalten Ouzo an den Tisch.

Am Sonntag gab es im Panorama zum Frühstück Kuchen, mit Thymianhonig getränkt, eine Kalorienbombe. Wir fuhren auf die nördliche Buchtseite an den Kohilari Strand, wo die Surfer den Tag begannen. Für uns wehte zu viel Wind, dann doch lieber wieder nach Limionas.

Nachmittags musste es wieder die unvergleichlich gute Vorspeisenplatte sein und zum Abschluss als Höhepunkt Ekmek Kataifi. So einen leckeren Nachtisch hatten wir lange nicht in Griechenland gehabt. Ekmek ist natürlich kein griechisches Wort. Oder? Wo wir anfangen, hören wir meist wieder auf. Also ging es ins Stamatia zu Stifado und Skordalia. Dort hingen wir den Gedanken nach. Mastihari abgehakt, Kos-Stadt und das Askplion nicht besucht, dazu war zu schönes Strandwetter gewesen, Buchten hinter Kefalos müssen noch warten.

Am letzten Morgen waren wir nach Frühstück und herzlicher Verabschiedung durch Familie Diamantis in fünfzehn Minuten am kleinen Flughafen. Ein paar letzte Fotos, noch etwas Sonne vor dem Eingang "tanken", normales griechisches Chaos bei der Abfertigung, dann mit dem Flughafenbus 50 Meter zur Maschine fahren, und der Flieger hob pünktlich ab. Vier gesunde Füße betraten in Hannover den Boden. Die Reise hatte sich gelohnt. Der Sommer konnte kommen.

2014