Chora Sfakìon

Als ich morgens in Plakias auf den Balkon trat, war er nass. Es hatte nachts geregnet. Der Strand sah traurig aus. Also schien es mir eine gute Gelegenheit zu sein, die Sfakia anzusteuern. Nach dem Frühstück fuhr ich über Sellia und die Ebene bei Frangokastello in Richtung Chora Sfakion. Vor dem Ort bog ich ab kurz hoch in den Berg, um die raue Welt der Sfakia bei leichtem Regen wenigstens zu erfahren, denn eine Wanderung bei diesem Wetter schloss ich gleich aus. Als mir in der Imbros-Schlucht die Schafe im Tunnel begegneten, die sich vor der Witterung Schutz gesucht hatten, kehrte ich doch wieder um und fuhr hinunter nach Sfakia, wie der Ort auch kurz genannt wird von den Besuchern. Der Parkplatzwächter wies mir den Weg zu den Three Brothers, wo ich ein einfaches Zimmer und zu Mittag einen üppigen Choriatiki bekam.

Es war Sonntag, auf der Terrasse der Taverne feierte eine Parea und sang wirklich stundenlang immer mal wieder kretische Lieder. Ich legte mich unten auf eine Liege auf dem kleinen Kiesstrand, steckte die Stöpsel ins Ohr und hörte Musik, las, rätselte und hoffte auf etwas Sonne, um doch noch ins Wasser gehen zu können. Plötzlich fielen drei Gewehrschüsse. Ich konnte nicht erkennen, ob sie oben in der Gesellschaft abgegeben worden waren, aber das Klischee, die Sfakioten haben alle Waffen und schießen gern, wurde schon nach wenigen Stunden erfüllt. Auch durchlöcherte Ortsschilder kündeten bei der Anreise von diesem Volkssport. Es sollten nicht die einzigen Schüsse bleiben in diesen Tagen. Am Himmel zogen dunkle Wolken auf, eine Gewitterfront näherte sich, die Sfakioten sangen weiter, ich packte zusammen und ging einen Espresso trinken in Despina’s Cafe an der Hafenbucht. Der Regen setzte ein und wurde schnell heftig, die Kellnerinnen zogen die Plastikfolien herunter. Ich kam mir vor wie im Zelt. Das Cafe füllte sich, Spaziergänger setzten sich zu uns und warteten auf das Ende des Schauers. Von der Abendfähre aus Agia Roumeli kamen viele Wanderer, die zu ihren Fahrzeugen strebten und schnell den Ort verließen.

Später am Abend ging ich zum Essen hinunter in die Taverne, die Gesellschaft hatte sich aufgelöst. Der russische Kellner brachte mir ein leckeres Kaninchenstifado. Auch am Nebentisch waren russische Worte zu vernehmen, hinter mir saßen Franzosen, Griechen nahm ich nicht wahr. Ich aß in Ruhe und fragte dann nach der Fähre nach Loutrò. Ja, sie hätten vor einiger Zeit Probleme mit der Fähre gehabt, aber jetzt wäre wieder alles in Ordnung. Ich machte einen Bummel am Hafen entlang, die Lokale waren gut besucht, alle saßen drinnen. Manche Leute in Wanderstiefeln, die mir begegneten, hatten Regenschirme dabei. Ich war müde und blieb nicht lange wach, hörte aber auch Donnergrollen von draußen und war gespannt auf den nächsten Tag, an dem ich eigentlich nach Loutrò wollte.