Galini - Hommage an Jak Anatolis

Als wir ins Stochos kamen und von Evi nett begrüßt wurden, lächelte Ramona. Schön, dass ihr die Atmosphäre gleich gut gefiel. Das Essen war griechisch und gut. Ramona vermisste nur den Zimt am Moussaka. Nirgendwo sei es so gut wie im Platanos in Limni. Recht hat sie. Und mir wurde bewusst, dass Jak Anatolis das Stochos nicht mehr besuchen kann. Klaus Eckhardt hatte mir in seinem Forum auf meine Anregung vom letzten Jahr geantwortet, Jak würde im nächsten Fall auch mal dort essen. Bei Heidi im Romantika sei er ja schon Stammgast. Als der Raki auf den Tisch kam, hob ich mein Glas und trank auf Jak.

Der Blick von unserem Appartment auf das Libysche Meer gefiel uns in diesem Herbst sehr. Abends hatten wir schöne Eindrücke von Galini, meist mit Wolken und viel Licht. Ein Platz zum Entschleunigen. Das Haus war Ende Oktober noch gut besucht. Nur abends wurden bald die Lichter ausgemacht.

So waren wir, wenn wir fit waren, im Dorf und kehrten nach leckerem Lamm aus dem Ofen vom Stochos dann in Jaks Stamm-Kafeneion ein, dem Café Platia von Vangelis und Veerle. Dort war es spät abends, aber auch morgens nach dem Bummel oder beim Frühstück relaxt. Ramona fand die Spiegeleier, die Regina machte, genial. Wir waren so entspannt, dass die holländischen Wortfetzen von den Nebentischen wie Musik waren und wir uns auf Roméo, den kleinen „Kampfhund“ konzentrierten, der der eigentliche Chef des Cafés zu sein schien und der Jak bestimmt als Spürhund unterstützt hätte.

Zum Baden waren wir in Matala, einmal wegen des Sturms nur kurz, und dann noch mal bei schönem Wetter. Und natürlich zum Beutelkauf. Die waren in diesem Jahr so günstig, dass Ramona zwei verschiedenfarbige kaufte.

Während ich im letzten Herbst am Championsleague-Abend im Platia miterleiden musste, wie Borussia Dortmund von Olympiakos Piräus abgefiedelt wurde, war diesmal Dortmund erfolgreich gegen Real Madrid, wobei Vangelis und seine griechischen und holländischen Freunde sich am Sieg von Ajax über Man City berauschten. Jak hätte seine Freude gehabt, und der Raki wäre nur so geflossen.

Ramona fand, dass Kreta doch nicht ihre Insel sei. Im Stochos sei es ihr zu aufgesetzt, das Essen in Galini zu international, wobei die Pizza im So Far So Good griechisch gut schmeckte, und der Raki sei zu künstlich und parfümiert. Wenigstens der Zaziki war überall gut gewesen.

Jak hätte wie wir seine Freude am Mythos und am Retsina gehabt und wäre neben Vangelis als einziger vom Galini-Virus verschont geblieben. Er hätte dann bestimmt aufgeklärt, woher der ominöse Virus gekommen und wer dafür verantwortlich gewesen wäre. Nun warten wir vergeblich auf die Antwort.

2012