Auf den Spuren des Jak Anatolis

Oder: Kreta-Krimis als Reiseführer

In Agia Galini führt mich mein Weg von den Ansichtskarten zur Kasse am Bücherregal vorbei. Einfach mal schauen. Ach ja, die Kreta-Krimis von Klaus Eckhardt. Welche habe ich denn schon früher mal gelesen? Ich weiß es nicht mehr. Die ersten beiden bestimmt. Ich leiste mir mal den dritten Band. Klingt irgendwie passend für mich. In Agia Galini wartet der Tod. Ich setze mich etwas weiter die Straße hinunter ins Cafe Platia und bestelle bei Vangelis, dem mit dem langen Pferdeschwanz und dem Gang eines Rodeoreiters, einen Frappé metrio horis gala und schlage das Buch auf. Seite 10. „Ich hatte ein kleines Frühstück im Café Platía...“. Na also. Passt doch. Ich gehe zum Strand, bade, rätsele und lese weiter. Der Plot ist zwar etwas albern, aber was soll’s? Es ist ja Urlaub.Ich lerne schon früh viele Lieblingstavernen und Kafenions kennen des griechisch-deutschen Privatdetektivs. Nach dem Bier im Platia ein Abendessen bei Kostas, der letzten Taverne vor dem Fluss, ein Frappé im Café Alexander, ein Cocktail im Romantika hinter der neuen Brücke am Strand, danach Stifado in der Taverne, abends Raki im Medusa, am nächstenTag im Tatso Mondo. So nebenbei wird dann auch noch ermittelt in zwei Mordfällen, wo natürlich zwei (fiktive) Tavernen am Strand und ihre Wirte eine Rolle spielen – aber mehr wird nicht verraten. Nur, dass sich Jak am Ende mit Michalis, dem Polizeiinspektor ausHeraklion im Café Platía zum Frühstück trifft. Wo auch sonst? Das Buch lese ich kurz und schmerzfrei durch und auf dem Weg zurück in mein Zimmer hole ich mir Band 4 der Reihe - Der Teufel aus den weißen Bergen. Ich lerne noch die Taverne Horiatis kennen, durchleide eine spektakuläre Busentführung auf der Straße nach Rethymnon und stolpere über die Tavernen Minoica und Onar.

Am nächsten Tag gibt es Feuer im Paradies, denn der fünfte Fall spielt außer in Galini noch am Strand von Triopetra. Dort will ich ja auch hin und nehme das Buch einfach mit. Der Strand ist wunderschön, leider windet es gerade sehr. So sitze ich real in der Taverne Apothiki, esse gefüllte Tomaten, trinke Wasser ohne Raki, erfreue mich am Strandleben und nebenbei am Buch. Diesmal besucht Jak noch das Hoi Polloi und das Café Ilios. Das Buch liest sich wie im Flug, eben Urlaubslektüre ohne viel Tiefgang. Es fällt auf, dass das Romantika die Lieblingstaverne des Protagonisten ist. Da finde ich das Essen auch gut, aber warum Eckhardt seinen Helden nicht das Stochos am Strand, wo Raki als Vitaminmedizin ausgeschenkt wird, oder die Grillstube Gold Sun im Ort, wo es einfach leckeren Giros gibt und überwiegend Griechen essen, aufsuchen lässt, bleibt mir ein kriminalistisches Rätsel.

 

 

 

Klaus Eckhardt:

Tote trinken keinen Raki.

Todesflug am Ida.

In Agia Galini wartet der Tod.

Der Teufel aus den weißen Bergen.

Triopetra – Feuer im Paradies.

Alle erschienen

im Verlag Dr. Thomas Balistier

(www. kreta-buch.de)

Nachtrag Juli 12: Klaus wollte meine Anregung im nächsten Buch verwenden.

Das geht nun leider nicht mehr. Schade.

 

Hommage an Jak Anatolis Herbst 2012