Am Plaka und in der Chora

Nach dem Windtag mit dem Auto brauchte ich wieder einen Strandtag. Das Wetter hatte sich beruhigt, der Strand war gut besucht und die hohen Wellen am Plaka als Ausläufer der Bugwellen von den großen Fähren zwischen Paros und Naxos machten mir Freude.

Bei Amoremio standen endlich zwei Reihen Liegen und Schirme. Marianna begrüßte mich herzlich und der erste Frappé bei ihr ging aufs Haus. So mag ich es. Ich legte mich lieber in die zweite Reihe, weil ich wusste, was irgendwann kommen würde. Die Wellen kamen den Strand hoch und nahmen Flipflops, Bälle und leichte Beutel mit ins Wasser. Ich grinste. Dann half ich aber doch und stellte Taschen und Schuhe auf die Liegen der Leute, die mal kurz zum Mittagessen oder Eisessen waren. Dabei kam ich ins mit Steffi aus Bayern ins Gespräch, die ich für eine Italienerin hielt und mit der ich Englisch redete, weil mein Italienisch sehr schlecht ist. Als gleich danach Jorgo vorbeikam und sich auch über die Wellen freute, klärte sich das Missverständnis auf. Sie kam auch seit Jahren von Prokopios zu Fuß an diesen Strandabschnitt, weil sie die Liegen so bequem fand und das italienische Lokal mochte. Auch sie hatten die hohen Wellen überrascht.

Abends war das Boulamatsis viel voller als noch vor einer Woche. Mir fiel auf, dass die Portionen Moschari hier wie auch anderswo in diesem Jahr viel größer waren als früher. Nicole meinte, die Konkurrenz unter den Lokalen wäre in der Vorsaison ziemlich groß. Ich bestellte mir nur noch einen halben Tsatsiki dazu. Schade, dass man auf Naxos keinen Atomiki kennt wie in Limni.

Meine Strandtage wurden wieder zunehmend gleichförmiger, die Busse fuhren wieder stündlich die normale Route über Prokopios, denn die Straße durch Agia Anna war fertig, teilweise mit ganz neuer Teerdecke. Als ich mir einen neuen Satz Bustickets kaufte, kostete Plaka auf einmal 2 Euro statt 1,80. Entweder war die Steuer erhöht oder ich zahlte bereits die neue Teerdecke ab. Das große Kanalisationsloch an der Flughafenkreuzung war immer noch nicht zu und am Plaka sah ich, dass das kleine Kanalhäuschen beim Yazoo auch nicht fertig war..

Als ich abends spät im Lotto noch einen Espresso trank, waren alle Lokale an der Paralia gut besucht. Die Fußball-EM in Frankreich hatte begonnen. Das Lotto hatte den größten Bildschirm, glaube ich. Und die Begeisterung nahm minütlich zu. Also lieber zurück nach Hause. Dort sah ich zu meiner Überraschung, dass auch Niko das Fieber gepackt hatte, er lag vor seinem kleinen Fernsehgerät, obwohl Griechenland gar nicht dabei war. Er lächte: Vive le France.

Am Samstag war richtig schönes Strandwetter. Der Tag war toll. Nicole hatte alle Bewohner zum Grillen vor dem Haus eingeladen. Ich wollte auf dem Rückweg vom Plaka im Alten Markt vom Bäcker Brot mitbringen. Weil Joana früh zu ihrem Job wollte, begann das Grillen dieses Jahr schon früh, und prompt hatte der Bäcker zu. Was für eine Blamage!

Dafür wurde der Abend umso schöner. Niko grillte gefüllte Kalamari und lecker Fleisch. Die naxiotischen Würste waren mir nicht zu scharf und schmeckten toll und regten den Bierkonsum ziemlich an. Irgendwer gab eine Runde Dosenbier aus, leckeres Vergina aus Komotini. Klar, es war schnell alle und wir stiegen auf Alfa und Fix und dann Mythos um. Ein Bierabend. Gabi und Susanne aus Mönschenglattback , die seit vielen Jahren schon kamen, unterhielten uns mit Geschichten aus alten Zeiten, als die Esel im Innern der Insel als Transportmittel dienten. Oder so.

Am Sonntag war am Strand dann noch mehr los. Das Baden war schön, lesen oder dösen aber auch. Abends bummelte ich mit Steffi durch den Alten Markt, wo sie neue Shoppingideen erhielt, und zeigte ihr dann die Chorawelt hinter dem Kastro. Dort war sie noch nicht gewesen.  Jorgo hatte mal von der Dachterrasse des Oniro als Geheim(!)-Tipp berichtet. Nun ja. Steffi hatte gehört, dass es einen neuen Pächter hatte und eine neue Karte.

Und so war es dann auch. Wir bekamen einen guten Platz am Rand mit tollem Hafen- und Sonnenuntergangsblick. Das leicht italienisch angehauchte Essen schmeckte gut und Steffi mochte auch den Wein. Später setzten wir uns noch an die Paralia, Volta gucken und Kaffee trinken. Als die jungen Griechen laut jubelten, sah ich noch Schweini im Fernseher jubelnd abdrehen, der sein Tor feierte. Wir tranken noch was und weil der letzte Bus nach Prokopios längst weg war, brachte ich Steffi zum Taxi am Hafen und nahm den nun fast leeren Weg durchs Labyrinth zum Kastell.

Der letzte Badetag hatte morgens viel Sonne, dann bezog sich der Himmel. Ich verabschiedete mich von Marianna, wünschte ihr bessere Geschäfte und fand auf dem Rückweg den kleinen Gemüseladen, in dem ich den guten Rika-Honig für Zuhause einkaufte. Abends saß ich spät noch vor dem Lotto und unterhielt mich mit Marietta über die endlich beginnende Saison und mit Manos über den griechischen Fußball. Das letzte Gespräch war nur kurz. Er wusste auch nicht, wo Angelos Charisteas abgeblieben war. Nächstes Jahr würde er es herausgefunden haben. Also, avrio.

Ich machte meinen Abschiedsspaziergang an der Katzentreppe vorbei, durch die Gassen in der zweiten Reihe und war dann rechtzeitig zur Abfahrt mit der BlueStar am Hafen. Es ging zurück in Richtung Santorini.