Apíranthos – Kóronos – Liónas

Die Scopelitis brachte mich sicher nach Naxos, ich bezog wieder mein Zimmer, fuhr baden, lernte abends "neue" Gäste des Hauses kennen und hatte eine ruhige Nacht.

Als ich am Mittwoch aufwachte, sah ich vom Balkon aus, dass der Himmel sich zugezogen hatte und der Wind heftig auffrischte. 8 Beaufort, meinte Nikos mit Windkennerblick. Ich nahm mir also einen kleinen Wagen, um in die Berge zu fahren.

Am Parkplatz unterhalb von Grotta konnte ich kaum die Tür öffnen, so stark war der Wind. Für Fotomotive ein guter Platz.

Beim Frühstück traf ich Naxos-Jorgo, der heute ein Big Breakfast orderte, kein Greek Breakfast. Marietta lächelte verständnisvoll. Jorgo und ich verabredeten uns, abends nach Filoti zum Essen zu fahren. Da war ich im Dunkeln noch nicht gewesen. Nun aber erst mal mit einem Tiropita in der Tüte auf nach Apìranthos, ein Ort, an dem ich bisher immer vorbeigefahren oder nach Moutsouna abgebogen war. In Chalki hielt ich kurz an meinem Lieblingsplatz an und beschloss, auf dem Rückweg einzukehren. Beim Platanos in Filoti saßen schon Busgäste und tranken Kaffee. Schnell die morgens gut zugeparkte Haupstraße hoch in die Serpentinen hinein.

Bald war ich in Apìranthos und parkte neben einigen Kleinbussen, die schon Besucher auf ihrer Inselrundfahrt hergebracht hatten. Geschäfte wurden mit Sackkarren beliefert. Ich machte mich auf kleine Gassen gefasst, war nach wenigen Metern im Schatten begeistert von dem hübschen Ort und machte einen kleinen Spaziergang. Es gab so viel zu sehen, dass ich bald genug Fotos für eine Extraseite hatte. Die Schule hatte gerade aus, Kinder wurden abgeholt, Touristen kauften Karten oder Kräuter, Griechen tranken Kaffee im Kafeneion. Die Tafeln an den Tavernen strahlten Herzlichkeit und Gastfreude aus. Der Ort gefiel mir so gut, dass ich ihn noch mal abends besuchen möchte.

Doch dann ging es weiter nach Kòronos. Auch dieser Ort liegt am Hang, der Ortskern eher im Tal. Also parkte ich oben an der Bushaltestelle, wo schon drei Mietwagen standen, und machte mich auf den vielen steilen Treppen an der Kirche hinunter ins Labyrinth. Nikos hatte mir Matinas Taverne unten im Zentrum ans Herz gelegt, doch Wegweiser gab es nicht und Menschen waren an diesem Morgen nicht zu sehen. Der Ort wirkte wie ausgestorben. Irgendwo hörte ich ein Radio.

Aber meine Entscheidungen, links oder rechts abzubiegen, waren erfolgreich. Ich stand plötzlich mitten im Ort und fast in der Taverne Platsa. Einige Wanderer saßen da und warteten aufs Mittagessen. Aus der Küche roch es sehr gut. Ich wurde von Matina herzlich begrüßt, nahm einen Schattenplatz ein und trank einen leckeren Frappè.

Als ich bezahlen wollte, erklärte mir Matinas Tochter, es geht aufs Haus. Matina winkte. Vielleicht sollten wir abends hier her zum Essen fahren. Aber ob ich mich im Dunkeln in dem Labyrinth zurecht finden würde? Der Rückweg war für mich schon eine Herausforderung, doch ich orientierte mich an dem Kirchturm und fand natürlich mein Auto.

Kurz vor Kòronos hatte ich den Wegweiser zur Panagia Argokiliòtissa gesehen. Der Himmel hatte sich wieder zugezogen und ich fuhr die Serpentinen im Wind hinunter zu dieser Wallfahrtskirche. Die neue riesige Kirche war noch im Bau und zugesperrt. Die schöne ältere Kirche 50m entfernt gefiel mir eigentlich viel besser. Der Wind haute mich fast um, also schnell ein paar Fotos und einen Blick nach Donoussa hinüber und zurück aus dem Wind.

Jorgo hatte mir Liònas empfohlen, den Strand und die Tavernen. Ich kurvte auf den Serpentinen zurück, dann auf der Hauptstraße weiter und wieder rechts ab, wieder nur Serpentinen in Richtung des kleinen Nestes. Unten angekommen fuhr ich im Tal mitten in den Ort bis fast zum Strand. Steine, Steine, Steine und hohe Wellen. Wie war ich nur auf die Idee gekommen, meine Badesachen mitzunehmen?

Rechter Hand gab es drei erhöht liegende Fischtavernen. Beim Vorbeifahren nahm ich wahr, dass wirklich auf jeder Terrasse eine Frau an den Rand trat und mich hochwinkte. Oben war höchstens jedes mal ein Tisch belegt. Unten auf dem Parkplatz standen drei Mietwagen, ein Scooter und hinter mir rollte ein Quad heran. Die jungen Leute in kurzen Hosen, Shirts, aber mit Helmen drehten bei dem Wind sofort um. Ich stieg aus, der Wind riss mich fast weg, aber er bot am Strand schöne Bilder. Ich setzte mich auf der linken Seite in den Windschatten, trank mein Wasser und aß mein Tiropita. Die Frauen waren wieder im windgeschützten Teil der Terrassen verschwunden. Als nach fünf Minuten wieder ein Mietwagen ankam, begannen sie erneut mit ihrer Arbeit. Ich fuhr zurück, winkte ihnen zu und wusste, Lionas ist nur was für „harte Strandmenschen“.

Zurück fuhr ich dann doch nicht über Filoti, sondern nahm die ruhige Strecke über Kinidaros an den Marmorbrüchen vorbei. Also gab es in diesem Jahr keinen Halt in Chalki.

Als ich abends Jorgo in Agia Anna abholte, erzählte er mir, dass er Lionas ganz anders in Erinnerung hätte, sonnig, kein Wind und Leute im Wasser. Warum ich denn nicht ins Delfinaki gegangen wäre? Ich fand, dass einmal essen gehen reicht. Und wir wollten ja nach Filoti. Er dirigierte mich ohne GPS durch die Dörfer hoch in den Berg, hinter Galanado fand ich mich wieder selbst zurecht. In Filoti fuhren wir sofort auf den ersten Parkplatz, aber im Juni war kaum Betrieb, wir hätten also weiter hochfahren können. Beim Spaziergang sahen wir, dass nur wenige Leute unterwegs waren.

Wir setzten uns nicht ins Platanos, sondern gingen auf Nikos Empfehlung weiter hoch zu Lykuries, von außen eher unscheinbar. Nur zwei ältere Männer saßen vor der Tür und tranken ihr Bier. Sie nickten uns zu und wiesen ins Innere nach hinten. Wir gingen am großen Fernseher vorbei und fanden auf der Rückseite eine Art Wintergarten, wo Griechen schon früh beim Essen waren. Die großen Fensterflügel waren ausgehakt, und uns bot sich ein toller Blick auf Berg und Himmel und eine untergehende Sonne. Damit hatten wir hier nun gar nicht gerechnet. Die Wirtin war sehr freundlich, brachte frittierte Zucchini, Rind und Lamm und Bier, und wir genossen Essen und Stimmung und klönten. Ohne Nikos Tipp hätten wir diesen Platz nie gefunden.