Im Norden unterwegs

Für halb neun hatte mir Nicole ein kleines Auto besorgt. Ich verließ die Stadt auf der Busroute und bog dann ab Richtung Chalki. Ich wollte mir den Kouros von Flerio ansehen und fuhr natürlich prompt an der Abzweigung vorbei. Die Insel war doch kleiner, als ich dachte. Sie war sehr grün. Das gefiel mir. Chalki war eher ein Dorf. Ich sah die Dorfkirche unter einer Platane. Für einen Halt ging es mir zu schnell, also bog ich ab Richtung Norden. Die Landschaft war abwechslungsreich. Wälder, karge Gipfel, kleine Kirchen mittendrin, Terrassen, Windmühlen, Ziegen, wenig Autoverkehr. Erinnerte mich in Teilen an Nordeuböa, und so was mag ich ja.

Über Moni, Koronos und Koronida fuhr ich nach Apollonas und sah den nördlichen Hafen plötzlich nach einer Kehre in der Ferne. Sah schön aus.

Ich fuhr mittags die schmale Straße in den Ort hinunter. Links war sie schon vollgeparkt, wird wohl eine Einbahnstraße sein, fuhr an der Promenade vorbei und stand am kleinen Hafen, wo es nicht mehr weiter ging und alles voll war. Gehen die alle hier früh Mittag essen? In den Tavernen war schon Betrieb. Was tun? Kurzer Bummel, spürte die Hitze, also zurück, nun mit Gegenverkehr und kleinen Stopps und oben rechts rum zum Kouros von Apollonoas. Er lag nicht ruhig da, sondern wurde gerade von einer britischen Familie bestiegen. Kultur zum Anfassen, anders als auf Delos. Irgendwie witzig. Liegen hier irgendwie große Männer in der Gegend herum und „schlafen"! Muss ich mal googeln, was das soll.

Zuerst durchs Inland zu fahren und dann an der Küste zurück Richtung Chora, war genial, so entging ich der Sonne auf der Fahrerseite. Es gab wunderschöne Ausblicke aufs Meer, kleine Strände, Ormosse eben. Bei einem, Ormos Abrami, bog ich ab und fuhr die steile enge Straße hinunter. Es war schön. Ein paar Kinder waren am Kiesstrand, auf der Terrasse der Taverne saßen Franzosen und ein älteres deutsches Paar und aßen Salat und tranken Wasser und Alfa. Ich bestellte einen Frappé und genoss Ruhe und Ausblick.

Ich hätte länger bleiben sollen, lesen oder schreiben und was essen. Die nächsten Ormosse waren auch schön, aber keine Tavernen zu sehen, so fuhr ich dann ins Innere ab. Engares wirkte ausgestorben, also fuhr ich über Kourounochori erst mal zum Kouros von Flerio. Da lag in der Nähe des Paradiesgartens der „verwunschene Jüngling". Ich maß zu Fuß ab: sechs Meter und etwas.

Jetzt hatte ich richtig Hunger. Essen in Kourounochori. Reden wir nicht drüber, außer, es war günstig, acht Euro. Schon war ich wieder in Chora. Kurz was trinken und dann noch was baden, ganz am Ende vom Plaka, wo der Bus nicht mehr hinfuhr und die Schirmvermieterin auf dem Bauch im Schatten lag und wir lange über den Vorabendpreis verhandelten mussten. Im Wasser war es schön. Ein genialer Abschluss. Schöner Tag.