Naxos im Mai

 Bei Boulamatsis war nicht viel los. Mein erster Abend in der Chora führt mich immer dorthin. Ein erstes Hallo, ein Gucken, was es an Auberginengerichten gibt und dann Papoutsakia bestellen. Schön, wieder da zu sein.

Morgens hatte mich Jannis nach Bremen gebracht. Germania flog direkt nach Athen, doch beim Aufenthalt dort langweilte ich mich schnell. Selbst die europäische und die griechische Flagge vor der Abflughalle hingen durch. Dann die Überraschung: 10 Busse kamen an und spuckten Chinesen, Koreaner und andere Ostasiaten aus, die schnell die Abflughalle fluteten. Zwei Stunden später eine Sensation: Wo ich sonst schon 30 bis 90 Minuten in Schlangen verbracht hatte, durchlief ich in zwei Minuten den Sicherheitscheck. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Nicole holte mich vom Abendflieger ab und empfahl mir, zum Essen die Strickjacke mitzunehmen, was ich natürlich tat. An der Paralia begann das Abendleben. Das Essen war lecker, der Schlaf nach der Warterei tat gut.

Im Lotto bediente in diesem Frühjahr Maria statt Marietta und war entspannt. Ich auch. Der Bus um 11 brachte mich zum Plaka, wo ich beim Cedar ins Wasser ging, es war frisch. Ich fand's herrlich. Um halb zwölf war es noch total ruhig am Strand, keine Musik, keine Handygespräche, kein Quadlärm von der Straße, alles chillig. Es war angenehm warm, ich genoss den ersten tollen Frappé bei Vicky, die noch beim Saubermachen war, aber die Maschine anwarf, und dann die kräftige Sonne - und verbrannte mich prompt unterhalb des Knies. Mann lernt nie aus. Aloe Vera war in auf Naxos, erfuhr ich. Mir half es auch. Bei Ladocharto bestellte ich (aus Versehen) Loukaniko und wurde nicht enttäuscht. Am geilsten ist aber immer der Kormos als Nachtisch.

Am nächsten Tag wurden meine Lieblingsschirme am Strand aufgebaut. Business as usual. Ich kann warten. Der Bus brachte mich gegen halb 5 zurück in die Stadt. So hatte ich nach dem Duschen genug Zeit, was Neues zu erkunden.

Schon im letzten Jahr hatte ich hoch oben auf einer Plattform auf der Rückseite des Kastros Leute am Geländer gesehen. Weil ich neugierig war, machte ich mich auf den Weg dorthin, hinter dem Oniro und To Kastro durchs alte Tor. Ich kam an den kleinen Läden vorbei und fand etwas weiter oben rechts den Eingang ins 1739, einem Terrassencafé. Im Vorraum wurde über die Geschichte des Gebäudes informiert. Die Nonnen waren schon früher eingezogen, doch erst 1739 wurde die Ursulinenschule hier eröffnet.

Ich ging weiter und kam in ein Café, das jetzt im 3.Sommer bis spät abends geöffnet war. Es war sehr angenehm, draußen unter großen Schirmen zu sitzen, Kaffee zu trinken und leckere Zitronentorte zu essen. Immer wieder kamen Menschen zum Fotografieren auf die Caféseite oder die große Plattform nebenan. Von dort oben hat man einen tollen Blick über die ganze Stadt. Ich war begeistert, plauderte mit der Bedienung und machte später viele Fotos. Man entdeckt immer wieder neues Sehenswertes in der Chora.

An Himmelfahrt war es diesig. Der Blick nach Paros hinüber war nicht mehr so klar. Dann lieber abends im Yassouflaki ein lecker Pita Giros und ein lecker Mythos und noch Koffer packen. Um Mitternacht brachte mich Nikos zur Fähre. Es war kalt. Ich wartete mit etwa 20 anderen Reisenden in dicken Jacken darauf, dass die Blue Star aus dem Dunkel um die Ecke kam zur Weiterfahrt nach Donoussa, Amorgós und Astypalea.