Naxos unusual

Hätten wir vorher gewusst, wie es kommen würde, wir hätten sicher storniert.

Wir hatten im Januar bereits gute Flüge nach Athen mit Aegean gefunden, direkt von Hannover aus. Der Anschluss nach Naxos passte auch gut und wir freuten uns Ende August auf viel Wärme mit etwas Wind. Nicole holte uns ab, und abends gings gleich ins Boulamatsis, wo wir nur noch den Tisch der Familie an der Wand bekamen. Beim Blick in die Vitrine entdeckte ich drei Paputsakia, doch als wir zwei bestellen wollten, waren sie schon verkauft. Dann doch wieder Moussaka. Und Horta, nein, gab es auch nicht mehr. Dann Miso Fasolia. Auch gut. Die ersten Vorzeichen für einen ungewöhnlichen Aufenthalt. Das Lokal war zwar voll, doch warten mussten wir nicht lange. Und zufrieden waren wir auch. Als wir gingen, wurde unser Tisch gleich wieder belegt. Bei der Volta unten an der Paralia waren die meisten Restaurants übervoll. Krasser Beginn.

Die Nacht war ruhig und gut. Wir standen früh auf und freuten uns aufs Frühstück bei Emma. City und Alfa, frisches griechisches Brot, und dieser leckere Joghurt mit Früchten! Vor dem Büro der Busstation rannte plötzlich ein großer Hund in mich hinein. Ich konnte mich gerade noch halten, doch das Tier bescherte mir meine erste Fußverletzung seit langem. Trotzdem erwischte ich noch Ramona und den Bus zum Plaka. Schon in Prokopios sahen wir die Liegebatterien am Strand, und am Plaka war es ähnlich. Naxos war voller Touristen.

Marietta freute sich sehr, uns wiederzusehen. Es würde leerer sein, meinte sie, uns kam es aber nicht so vor. Erstaunlicherweise waren es wenige Italiner, mehr junge Griechinnen und Griechen in unserer Strandecke. Das Meer und das Baden waren toll. Der Meltemi machte die Augustwärme erträglich. Ich behandelte meinen Fuß. Wir kamen langsam herunter.

Abends kühlte es ab, wir brauchten unsere Pullover und suchten das Kozi auf, in der Hoffnung, nicht so viele Touris zu erleben. Der Blick aufs Tor war wieder schön. Die frittierten Zucchinis und Kalamaki mit Sheftalia waren superlecker. Es ging uns gut. Als wir beim Bummel wieder auf viel Betrieb stießen, bogen wir schnell ab hoch zum Kastro und ließen den Abend auf dem Balkon ausklingen.

Auch an den nächsten Tagen gab es Strandleben as usual. Am Abend waren wir auf der Dachterrasse des Oniro. Es hatte etwas Wind und einen schönen weiten Blick. Wir aßen Octopus und Kleftiko und waren sehr zufrieden.

Auf dem Heimweg kehrten wir im Meli kai Kanela ein. Honig und Zimt, ein kleines Cafe, von dem Nicole erzählt hatte. Mitten im Viertel hinter dem Kastro liegt etwas versteckt vor den Massen dieses Cafe und war abends von Jugendlichen besucht und von uns. Zum Frappé und Espresso gab es Kormos als Zugabe. Die Luft war warm, kein Wind erreichte die Ecke.

Am nächsten Tag machte ich einen Bummel durchs Viertel. Das Meli kai Kanela strahlte auch am Vormittag eine Gemütlichkeit und Schönheit aus, die man an der Paralia nicht mehr so fand.

Dann erfuhren wir, dass wir unsere Reise abbrechen mussten. Natürlich genossen wir noch den Strand und die Stadt und einige Restaurants. Das Ladocharto enttäuschte uns in diesem Jahr. Moussaka und Grillgemüse waren kein besonderer Genuss, dafür war die Rechnung hoch, und auf das Kormos als Zugabe warteten wir vergeblich. Daumen runter! Dafür aßen wir am letzten Abend dann gern Pitagyros vom YaSouflaki. Lecker und preiswert, aber auch das Lokal und die Gänge drumrum waren brechend voll.

Die Umbucherei, um überhaupt noch Plätze in einer Maschine zurück nach Hannover bekommen, war nicht ganz einfach, aber dann auch erledigt. Das alte Netbook hätte fast den Geist aufgegeben, auch war der Reißverschluss des gelben Rucksacks kaputt gegangen und der Griff des Trollys ebenfalls. Eine Reise mit Verlusten eben.

Am letzten Vormittag ging es ins Techni, wo Ramona eine neue Häkelgardine für eines ihrer Fenster suchte und dank guter Beratung auch fand. Ich besuchte noch schnell Marietta im neuen Opap. Dort haben die naxiotischen Zockerfreunde des Lotto jetzt eine neue Heimat gefunden. Im Lotto war das Büro vernagelt, wie ich überraschend am ersten Tag festgestellt hatte.

Dann noch einmal Scopelitis gucken, traurig an verpasste Tage auf Paros und Iraklia denken und Koffer packen.

Um drei Uhr nahmen wir dann die Ekaterini über Mykonos und Tinos nach Rafina. Wir stellten fest, dass langsame Fährreisen unseres nicht mehr sind. Leute gucken machte aber wieder Spaß. Im Dunkeln fanden wir ein Taxi, das uns irgendwo im Nirgendwo vor einem fensterlosen Appartment absetzte. Wir waren in einer der Athener Einflugschneisen gestrandet. Die Nacht war anstrengend und kurz. Doch der Shuttle funktionierte einwandfrei und wir bekamen den Morgenflieger nach Hannover, wo uns gleich schlechtes Wetter erwartete. Das passte zu dem traurigen Anlass.

Doch die Sehnsucht nach mehr Glück im nächsten Frühjahr sollte sich bald wieder einstellen.