Naxos - Tage am Meer

Drei Wochen lang habe ich diesen Bericht vor mir hergeschoben. Tagsüber war es unerträglich warm. Wir verhängten die Fenster mit dunklen Tüchern. Alle zwei Stunden verfolgte ich die Griechenland-Krise auf den Nachrichtensendern, abends dann die täglichen Talkshows und die Brennpunkte zum Referendum, und nun lese ich die Tagebuchaufzeichnungen von Klaus Bötig, der die Peleponnes bereist und von Schlangen an den Bankautomaten und der Ruhe in den Badeorten berichtet. Fast habe ich vergessen, dass wir vorher ja zwei Wochen Badeurlaub am Meer gemacht haben.

Mitten im Baustress zwei Wochen Urlaub in diesem Jahr? Und auch noch nach Griechenland? Kein Ding, da blieb nur die Frage: „Limni oderNaxos?“ Anfang Juni schien uns die südlichere Insel wärmer zu sein. Aber auch wir merkten, die griechische Wetterlage ist nicht mehr so wie in früheren Zeiten. „Nehmt genug Bargeld mit“, hieß es im Forum. Gesagt, getan. Alles wurde gut. Der angekündigte Flutlotsenstreik wurde zwei Tage vorher abgesagt und so machten wir uns erfreut auf die Reise. Das Gepäck wurde durchgecheckt bis nach Naxos und kam tatsächlich in der Nachmittagswärme auf dem „Laufband“ des kleinen Flughafens in Naxos an.

Der Himmel war bedeckt, als Nicole uns abholte. Vom Flugzeug aus hatte ich schon gesehen,dass die Salzseen neben dem Rollfeld voll Wasser waren. Es war ein nasses, kühles Frühjahr gewesen. Der neue Stausee im Innern der Insel sei total voll, erklärte Nicole. Ihr Haus war gut belegt, viele Stammgäste waren da. Wir packten aus, und ich ging einkaufen. Weil aber Pfingstsonntag war,erlebte ich zwei Pleiten an den Türen der Läden. Erst am Hafen kam ich zu Wasser, Mythos und Trauben. Dann fuhren wir um halb fünf mit dem Bus, der so früh im Jahr nur einmal pro Stunde unterwegs war, zum Plakastrand.

Welch eine Überraschung! Das Amoremio und das Meze2 waren noch zu, keine Schirme und keine Liegen, also etwas zurück am Strand unter die Palmenschirme vom Cedar. Ich holte den ersten Frappé von Vicky an der Bar, er war eiskalt und schmeckte lecker. Dann schnell ins Wasser. Es war etwas kühl, aber auch sehr erfrischend nach der langen Anreise. Abends gab es dann große Freude im Boulamatsis. Wie immer bestellten wir am ersten Abend viel zu viel. Aber der Kykladensalat musste es schon sein zu den üblichen Vorspeisen und zum Moussaka. Ach, war das schön, wieder da zu sein! Durch das dunkle Labyrinth ging es zurück ins Bett. Morgen würde bestimmt den ganzen Tag die Sonne scheinen und Ramonas Lieblingsstuhl am Strand vor dem Amoremio bereit stehen.

Der Himmel war bedeckt am nächsten Morgen. Also dann in langer Hose auf ins Lotto. Es war schön, Marietta wiederzusehen, die uns ganz entspannt bediente. Voll war es nicht. Manos wirkte desinteressiert wie im Vorjahr, wenn er frischen Kaffee brachte. Wie würde das Wetter? Er hob nur die Schultern. Der Bus brachte uns über Prokopius, wo der Strand am Pfingstmontag gut besucht war, zum Plaka. Beim Amore mio setzten drei Männer die Pfosten für die Schirme in der ersten Reihe, das heißt, einer setzte. Zwei andere maßen und rauchten oder überlegten, was zu tun wäre. Dann war die Arbeit beendet. Ich musste nicht nur innerlich lachen, Ramona trauerte ihrem Stuhl hinterher.

Am nächsten Tag durften wir mittags auf die Liegen in der ersten Reihe, am Donnerstag brachte uns Marianna die ersten Frappédes. Geht doch! War es morgens bedeckt und windig, wurde es nachmittags sonnig und sehr windig, war es morgens schön, war es nachmittags bewölkt und es roch nach Regen. Das Meer war genial, es wurde jeden Tag etwas wärmer, die Liegen und Schirme wurden jeden Tag etwas mehr aufgebaut und am Wochenende waren dann auch die beim Meze2 fertig. Wir ließen uns trotz sehr wechselhaftem Wetter nicht vom Strandbesuch abhalten. Die Wanderer im Haus lächelten immer, wenn wir mit Badetasche und Rucksack loszogen. Abends genossen wir beim Boulamatsis gefüllte Kalamari oder Moschari kokkinisto, es füllte sich und Tische wurden zusammengestellt für eine französische Wandergruppe in Pullovern und Wanderstiefeln. Das erste Zitroneneis vom Waffelhouse war so lecker wie immer.

Der nächste Abend war warm, wir hatten Lust auf Kalamaki und gefüllte Pilze im Kozi und erlebten einen tollen Sonnenuntergang. Bauch und Herz waren zufrieden gestellt. Auf der Dachterrasse des Kastells schauten wir spät abends in den Sternenhimmel. Naxos ist einfach schön.

Am nächsten Morgen vermissten wir Marietta beim Frühstück, dafür lief Manos zu überraschend guter Laune auf. Das Proino Elliniko war lecker und der Jogurt mit Früchten genial, Trauben und Erdbeeren waren total süß. Ich musste Fotos machen von den genialen kleinen Toiletten im Lotto, die neu dekoriert waren.

Wir nahmen zwei Tiropites mit zum Strand und erlebten den ersten durchgängig sonnigen Strandtag. Am nächsten Tag war es morgens wieder sonnig, dann wurde es stürmisch und die Wellen, die nach der Vorbeifahrt der Blue Star an den Strand rollten, wurden immer höher und brachten den Kindern viel Spaß, den Liegenbesitzern in der ersten Reihe eher nicht. Von nun an gab es jeden Tag mehrmals Aufregung und Freude.

Abends zogen wir dann im Juni Strickjacken an und fanden zwanzig Meter neben dem Boulatmatsis das Sto Ladócharto (Pergamentpapier). Das Restaurant liegt oberhalb des „Lotto“. Wie bei Boulamatsis kann man vom Balkon auf die abendliche Volta schauen und die Versuche der Wirte belächeln, Leute in ihr Lokal zu „ziehen“. Das Ladócharto hat genug Platz und ist schön eingerichtet. Alte Reklametafeln und Bilder aus früheren Naxoszeiten zieren die Wände. Wichtiger ist natürlich das Essen. Die Karte ist klein und enthält auch Gerichte, die wir so noch nicht kannten. Wir aßen zum Tsatsiki Fava aus Erbsen mit karamellisierten Zwiebeln und spürten, hier ist ein guter Koch am Werke. Statt Stifado, das ausgegangen war, traute ich mich nach Jahren mal wieder an Bifteki und war von Qualität und Geschmack begeistert. Als es dann noch Kormós als Nachtisch vom Haus gab, eine Art „Kalte Schnauze“ aus leckerer Schokolade und Keksbröseln, griechisch-süß, wussten wir, wir würden wiederkommen. Beim zweiten Besuch war es voller und wir probierten die Spieße und Patates, die in einer Art moderner Mehlschippe serviert wurden. Wir mögen zwar kleinere Suflakia lieber, wie im Platanos oder im Kozi, aber diese waren auch sehr gut. Das Restaurant muss einen guten Metzger haben. Im Ladócharto waren an den Abenden überwiegend junge Gäste, aber auch für die Älteren lohnen sich die Stufen in dieses Restaurant.

Das Wetter wurde in der zweiten Woche besser. Der Sommer begann. Ich traf Naxos-Jorgo und wir tranken nachmittags zwei Mythos bei Vlassys und klönten über die Insel und seine Veränderungen. Abends gab es Dakos und Paputsakia. Boulamatsis ging wieder in Führung in der Tavernenwertung. Endlich fand Ramona abends beim Bummeln die gesuchte Umhängetasche. Auf eine gehäkelte Tischdecke für den Esstisch verzichten wir nach langem Verhandeln und noch längerer Diskussion. Am nächsten Tag erkundete ich die Stadt. Naxos hat ein neues Kino, was pfiffigerweise gleich neben dem ehemaligen Cinema gebaut wurde, auf dem Weg zum Kastro kam ich am Fanraum der AEK-Fans vorbei, die in guter Laune eines Abends ihr Team unterstützten. AEK endlich wieder in der 1. Liga. Im Ariston war wenig Betrieb, auch die Bars am südlichen Ende der Paralia waren kaum besucht. Auf dem Rückweg zum Kastell gab es einige aufgegebene Läden, die Wohnungen schienen alle bewohnt. Einige Jungen gingen zur Kirmes nahe dem Stadion.

Am Sonntag stieg dann das Thermometer auf 36 Grad. Der Tag am Meer war genial, das Wasser erfrischte total. Abends „bastelte“ uns die Mama Pikilia, einen Vorspeisenteller, den wir kaum„aufkriegten“, dazu gab es noch einen Orangenkuchen zum Abschluss. Wir waren sehr zufrieden. Schön, so zwei Wochen Urlaub ohne Kultur und ohne Fähren zu anderen Inseln und ohne Mietwagen, also keine wirkliche Reise, ein Urlaub eben. Total langweilig, aber für uns in diesem Jahr genau das richtige.

Montag ging es dann mit dem 2-Uhr-Flieger zurück nach Athen. Das Gepäck wurde wieder durchgecheckt, doch wir mussten wieder neu einchecken. Aber im geeinten Lufthansa-Star-Alliance-Europa wird das sicherlich irgendwann auch noch behoben. Das Chaos beim Abflug in Athen war ähnlich dem Vorjahr, wir flogen mit nur 15 Minuten Verspätung ab. In Deutschland zog ich wieder eine dicke Jacke an und sehnte sie zurück, die Tage am Meer.

Die vielen Tempeltor-Fotos gibt es auf der Portaraseite.