Herbst im Süden von Rhodos

In der warmen Oktobersonne mittags in Haraki an der Hafenmauer zu sitzen und in Ruhe zu Mittag essen, das ist Easygoing auf Rhodos. Unten dösen mehr oder wenig beleibte Engländerinnenund Engländer rosa bei der Hitze, Kinder toben im flachen Wasser oder bauen kleine Sandburgen. Haraki liegt in den letzten Urlaubszügen. Ton logariasmo, parakalo. Das Essen ist lecker und das Menü preiswert. Am goldgelben Agathi Beach gleich um die Ecke ist noch Betrieb. Gegen Mittag legt sogar ein kleines Badeschiff aus Lindos an. Schnell werden die Liegen in der Mitte belegt. Erst in der letzten Oktoberwoche werden sie so nach und nach mit den Schirmen weggekarrt, die Kühlschränke sicher verstaut und die Holzbuden abgerissen.

Bei bedecktem Himmel fahren wir am nächsten Morgen ins nahe Lindos auf einen Parkplatz am Rand und schlendern mit den wenigen Bustouristen aus Rhodos oder Faliraki durch die engen Gassen, trinken im Captain’s House einen leckeren Frappé und erfreuen uns an den Wiederholungen der Fußballspiele der englischen Premier League, die in den Pubs und Kafeneions selbst im Herbst tagsüber laufen. Oder es geht in den meist leeren Süden hinter die nagelneuen Hotelklötze des ehemaligen kleinen verschlafenen „Weilers“ Kiotari. Danach kommen hinter Gennadi nur noch kleine Dörfer, die man zu Fuß schnell erkunden kann, um schließlich in einer der Tavernen in Vathi oder Lahania frischen Horta oder Humus zu Patates und Fleisch vom Tag zu essen.

Ein Ausflug in den tiefen Süden an die total windige „Meerenge bei Prasonissi“ muss sein und ist jedes Jahr wieder ein Erlebnis. Das Meer ist auf beiden Seiten total unterschiedlich und die Surfer lieben den scharfen Wind. Da spürt man bereits den Herbst. Abends spielen am Marktplatz von Lardos die Jungen Fußball, bis der letzte Bus kommt oder die jungen Männer ihnen den Ball wegschießen. Vereinzelte englische gerötete Bunnies stöckeln vorbei. Die beiden Cafes sind fest in englischer Hand, nur das alte kleine Kafeneion wird von Albanern bevölkert, die Bier und Uso trinken und Erdnüsse kauen. Wir setzen uns an die Straße dazu und schauen der Volta zu. Am letzten Tag einen Blick von oben auf die verlassene Vlychabucht, in der Abendsonne kurz noch nach Rhodos und ein Bummel durch die Altstadt und dann ab ins Paradies. Paradissos ist der kleine Flughafen. Ganz oft müssen wir in Deutschland am Flughafen die Scheiben unseres Wagens frei kratzen. Der Winter kündigt sich an.

2008