Vlichá Reloaded

Nach vier Jahren wieder zurück im Oktober in mein Lieblingshotel in der Vlichá-Bucht. Als ich letztes Jahr meinen Kolleginnen eine Woche Herbstwärme auf Rhodos empfohlen habe, war ich unsicher, ob es ihnen gefallen würde. Da zwei von ihnen dieses Jahr wieder hinfahren und noch zwei weitere mit wollten, war ich überzeugt, dass eine Woche Erholung in der Sonne nahe Lindos genau richtig wären für mich.

Es tat gut, dass die Temperatur von 24 Grad an jedem Tag um ein, zwei Grad anstieg. Das nahm fast sommerliche Formen an. So liebe ich dieses Land: das Meer, Wärme, Strand, gutes Essen, nette Menschen. Aber es war anders als auf den Reisen im Juli. Doch ich vermisste es kaum, da ich mit dem Wagen kleinere Ausflüge nach Prassonissi, Lachania und in den Hafen und die Altstadt von Rhodos unternehmen konnte.

Außerdem war ja auch Lardos nah. Tsampikos war allein in seinem Kafeneion, seine Frau war in Deutschland zu Besuch bei den Söhnen und Enkeln. Von ihm erfuhr ich den neuesten Klatsch aus Lardos und bekam seinen Unmut mit über die Politiker und die stark gestiegenen Steuern, die zudem nun auch noch pünktlich bezahlt werden mussten. Die Albaner kamen nicht mehr morgens zum Kaffee, doch die Engländer hielten ihm die Treue. Donnerstag begann wieder das Training für die Dartsliga. Er wirkte sorgenvoll, hatte Bauchschmerzen und aß mittags nur etwas Reis mit Fleisch. Schön war, wie schnell wir uns wieder verstanden.

Der Supermarkt gegenüber war umgezogen, es gab zwei neue Cafés und Louka’s Restaurant war nun eine Pizzeria. Valentina’s, wo früher Shepherd’s Pie auf der Speisekarte gestanden hatte, war wohl schon seit längerem aufgegeben worden. Sonst aber wirkte es wie vor 10 Jahren, als Ramona und ich zum ersten Mal auf Rhodos gewesen waren.

Die Tage verbrachten wir am Strandteil mit der Wasserleitung. Früher war er uns nicht besonders aufgefallen, als wir meist in Glystra oder Agathi baden waren. Nun im hohen Alter war ich froh, ohne Steine zu überwinden einfach ins Meer zu kommen und eine Poolbar gleich in der Nähe zu haben. Die Jungs brachten einen den Frappé bis an die Liege, wenn man wollte. Es hatte ruhiges Wetter, aber hin und wieder stürzte ich mich in kleine Wellen, die an den flachen Strand schlugen. Mein Körper war vom Sommer noch so gut angebräunt, dass ich die meiste Zeit den Schatten vermeiden konnte und wieder etwas Farbe bekam.

Als wir abends ankamen, begrüßte mich Michailis mit den Worten: „Wo warst du so lange verschwunden?“ Ich konnte nur lächeln. Das Hotel hatte noch an Annehmlichkeiten zugelegt, das Essen war noch üppiger geworden und eine solche Menge an Nachspeisen hatte ich noch nirgendwo erlebt. Dekadent.

Die Menschen waren nett und hilfsbereit wie immer. Michailis wollte nächstes Jahr heiraten, Jannis tanzte beim obligatorischen Abend wie ein junger Gott und mit John war ein neuer Kellner dabei, mit dem ich mir Wortduelle über spanische Fußballclubs lieferte. Dazu das tägliche Fahrstuhl- und Cablecarfahren. Es wurde mir nicht eintönig.

An Prassonissi war es nicht so windig wie sonst. Es waren keine Surfer unterwegs, aber schon dort bemerkte ich anhand der vielen Autos, dass Rhodos trotz griechischer Krise an Besuchern dazugewonnen hatte. Russische Brocken allerorten.

So auch beim Spaziergang durch Lindos und auf der Akropolis über dem Ort. Da ich früher keine Kamera dabei gehabt hatte, machte ich mich früh auf den Weg, doch es waren schon Busladungen aus Faliraki und Kiotari da. Engländer, Franzosen, Russen, Deutsche. Der Blick von oben auf die Bucht von Lindos oder Agios Pavlos entschädigte für Stimmengewirr und Strapazen beim Aufstieg. 6 Euro kostete der Spaß in diesem Jahr. Hunderte Kameras, Smartphones oder Tablets waren in Betrieb. Ein bisschen Kultur will abgelichtet sein in unserer schönen neuen Welt.

Viel Betrieb war auch in der Altstadt von Rhodos. Es war Aida-Tag, wie wir bemerkten, als wir einen Parkplatz für unseren Wagen an der Stadtmauer und am Rathaus suchten. Die Menschenmassen strömten durch das Stadttor. Wir trennten uns, um die Moschee und den Palast zu erkunden und ich wollte lieber Frappé trinken und Ansichtskarten schreiben und verschicken und Leute gucken. In der Sokratesstraße kam ich ins Gespräch mit Vassilis vom Juweliergeschäft „Diamonds and Pearls“. Gerade an den Tagen, an den die Kreuzfahrtschiffe anlegen, wäre es sogar im Oktober voll. Die Umsätze stagnierten aber. Im Moment wären viele Russen da, die eher Pelze kauften als Schmuck. Auch er klagte über die verschärfte Steuersituation und müsse wohl ab November noch etwas anderes arbeiten in diesem Jahr. Er schaue aber nicht so pessimistisch in die Zukunft. Angeblich hätten die großen russischen Touristikunternehmen schon für die nächsten drei Jahre die AI-Hotels im Voraus gebucht und bezahlt. Das wäre den Griechen zu gönnen, den „normalen“ Urlaubern eher nicht.

Schön war es wieder am Agathi, wo ich beim Rundgang feststellte, dass die Tür zur kleinen Kapelle im Felsen offen war. So kam ich endlich zu einem Einblick.

Mittags setzten wir uns in Haraki bei Nikos und Eleni an Tische mit Stofftischdecken. Haraki war schon immer etwas anders. Es gab statt Psomi Knoblauchbrötchen. Warum nur war meine Kamera nicht in Betrieb gewesen? Weil Briam, Zaziki und Choriatiki Spezial so lecker waren? Viel mehr durften wir auch nicht zu uns nehmen, um abends den Fisch und die „tausend Torten“ noch genießen zu können. Erstaunlicherweise hatte ich, als ich zu Hause auf die Waage stieg, nur 500 Gramm zugenommen. Mit Krimis, Sudokus, Schwimmen und Vermeiden von Fahrstühlen hatte mein Trainingsprogramm durchaus Erfolge erzielt.

Am letzten Tag nachmittags noch bei 29 Grad im Meer baden und dann spät abends in Hannover bei 5 Grad ins Auto steigen. Ich fühlte mich gut erholt.