Wolken über Rhodos

Das Wetter in Deutschland war schlechter geworden. Wir hatten einen Nachtflug genommen und suchten nun in der Frühe in Faliraki nach einem offenen Café. Der Ort lag wie ein verlassener Jahrmarkt da. Irgendwie waren wir sonst immer schnell vorbeigefahren. Aber Faliraki ist ja auch Griechenland. Schließlich bekamen wir im Lime ein gutes Frühstück von einer Engländerin serviert. Die Sonne schien. Ein gutes Zeichen. So konnte es weitergehen.

Was war das denn? Der Highway von Faliraki in Rchtung Lindos war einige Kilometer weiter ausgebaut worden, und dann musste ich in Archangelos auf die Bremse treten: ein Kreisel. SollteRhodos nach Nauplia, Matala, Naxos und Milos nun auch die Kreiselitis überfallen haben? Na klar. Beide Kreuzungen bei Haraki gab es nicht mehr, dafür zwei Kreisel kurz hintereinander. Da war mir klar, dass die frühere Abzweigung an der Vlichabucht in den Süden Richtung Lardos und Prassonisi zum 4. Kreisel umgebaut worden war.

Das Wohnen im Lindos Mare war so angenehm wie die Male zuvor. Das Frühstück war großzügig und abwechslungsreich, das Abendessen im Geschmack noch besser als bisher. Die Desserts waren unzählig. Die warme Schokoladentorte machte mich glücklich. Wir vermissten Michailis, der nach seiner Heirat in ein anderes Hotel in der Nähe seines Heimatortes Afandou gewechselt war und sich verbessert hatte. Abends saßen wir lange hoch oben über der Bucht und schauten aufs unwirkliche Meer. Was für ein Blick!

Beim Besuch in Lardos mussten wir dann auch noch feststellen, dass Tsampikos nicht in seinem Kafeneion saß. Ein Engländer vertrat ihn und erklärte, Tsampikos sei zu seinen Söhnen nach Deutschland geflogen. Schade, ich hätte gern mit ihm über die Veränderungen im Ort geredet. Wir sahen einige Läden leer stehen, ein italienisches Restaurant hatte aufgemacht, die Taverne gegenüber Tsampikos war schon geschlossen. Wenige Fußgänger waren unterwegs. Von stöckelnden englischen Bunnies keine Spur. In den beiden englischen Bars wurde Premier League geguckt. Die frühere abendliche Autovolta fand nicht statt. Das Benzin war ja auch 25 Cent teurer als in Deutschland.

Das Wetter veränderte sich. Die Temperaturen lagen bei etwa 20 Grad. Neben Sonne gab es lange wolkige Abschnitte und gegen Abend auch zweimal Gewitter und Regen. Meist fiel er nachts. Die Strände waren mäßig besucht. Am Agathi gefiel es uns besser als am Glystra. An den ersten Tagen hatte das warme Meer hohe Wellen durch den starken Wind. Das Springen in den Wellen machte großen Spaß. An Schaukeln auf der Luftmatratze war hier nicht zu denken.

Später war es ruhiger, auch in der Vlichabucht, wo wir abends noch mal letzte Sonnenstrahlen tankten oder ins weiche Wasser glitten neben dem kleinen Schiff, das auf der Seite lag.

Das nahe Lindos besuchten wir abends, als die Busse aus Kiotari oder Rhodos weg waren. Es war angenehm leer, aber wirkte erstmals fast aufgegeben.

Auf unserer Fahrt nach Lachania kamen wir durch Kiotari und mussten feststellen, dass dort einige weitere riesengroße Hotelkomplexe entstanden waren. Unbegreiflich eigentlich. Wir rätselten auch darüber, wer die neuen Eigentumswohnungenkomplexe oben in der Vlichabucht bewohnen und vor allem bezahlen sollte. In Lachania wies ein Wegweiser auf ein neues belgisches Cafe hin, welches jedoch geschlossen war. Aber wir wollten ja auch zu unserer rhodischen Lieblingstaverne. Der Platz vor dem Platanos hatte eine neue Bedachung erhalten. Wir fühlten uns sofort wieder wohl und genossen die mittägliche Ruhe an diesem Ort. Die Kinder der Söhne waren einen Kopf größer geworden und fuhren mit ihren Fahrrädern ins Dorf. Wir bestellten wie so oft Moussaka und Hummus und ließen es uns gutgehen.

Die Temperaturen sanken, der Himmel war oft bedeckt, das Wasser aber zum Baden immer noch angenehm warm. Das tat uns in diesem Jahr richtig gut. Dann wurde auf dem Glystra wurde die längst geschlossene Kantina weggefahren und auf dem Agathi mit dem Abbau der Holzbuden begonnen. Ein Zeichen abzureisen. Rhodos machte zu.