Akrotiri

Als ich im Januar nach Flügen zu den Kykladen Ausschau hielt, waren Flüge mit Swiss und Edelweiss nach Santorini am günstigsten. Also flog ich mal nicht nach Athen und dann nicht weiter nach Naxos. An Santorini hatte ich nur wenige Erinnerungen. Vor Jahren war ich schon mal einen Tag in Oia und Fira gewesen. Auf dem Schiff zurück hatte ich damals eine Familie kennen gelernt, die die gerade wieder eröffnete Ausgrabungsstätte in Akrotiri besucht hatte. Darüber dachte ich nach. Also ein guter Grund, ein paar Tage das andere Santorin zu erkunden.

Nikos von der Villa Galinia holte mich nachmittags vom kleinen Flughafen ab und fuhr mich auf meist miserablen Straßen in den Süden der Insel zu seinem Haus hoch über Akrotiri mit Blick nach Nordosten auf die Caldera und zum Süden auf die Ägäis. Da hatte ich bei der Zimmerwahl wohl alles richtig gemacht. Ich unternahm einen kleinen Spaziergang um das Haus herum und bestellte abends, als es dunkel wurde, das erste Moussaka und das erste Mythos, dem sich eine ruhige Nacht anschloss.

Am nächsten Morgen fuhr ich hinunter, durch den Ort Akrotiri hindurch, und kam am großen Parkplatz an. Die archeologische Ausgrabungsstätte liegt nördlich des kleinen Dorfes und war morgens schon gut besucht. Ich profitierte von meinem Altersstatus und durfte statt für 12 € zum halben Preis hinein. Die Frauen im Kassenhäuschen lächelten verständnisvoll. Der ausgegrabene Ort war nach einem Vulkanausbruch im 17.Jhdt. ähnlich verschüttet worden wie Pompeji. Ab 2005 war die Stätte nach einem Unfall geschlossen worden und erst seit 5 Jahren wieder geöffnet. Bevor die Busmassen ankamen, betrat ich die große Halle, denn fast alles war überdacht. Ich schlängelte mich durch die einige geführte Gruppen hindurch. Schulklassen waren da, vereinzelt hörte ich französische oder chinesische Wörter. Auch viele Amerikaner staunten über gut erhaltene Wände, Mauern, Treppen und Tore. Gefäße deuteten die Vorratslager an. Ich war überrascht, wie gut erhalten alles war. Die Halle war wohl temperiert. Das merkte ich dann, als ich nach einer Stunde wieder ins Freie trat. Es war wärmer geworden. Die Hunde wären auch gern drinnen gewesen.

Die Straße führte weiter zum legendären Red Beach. Meine Badetasche war zwar gepackt, doch mit den Sandalen machte ich mich nur auf zu Fotoaufnahmen und fuhr dann lieber zum Strand beim Akrotirihotel. Hier war es schön, im Schatten zu sitzen und Meer und Ruhe zu genießen, bis der Local Bus kam und auch hier Besucher ausspuckte. Der Frappè hatte gut geschmeckt. 2,50 € schien der Preis dieses Jahres zu sein.

Eigentlich wollte ich noch nach Pyrgos hinauf, aber weil es immer wärmer wurde, fuhr ich über Emborio nach Perissa, wo der Strand schon gut besucht war. Auf dem schwarzen Lavasand zog ich lieber Badeschuhe an und ging ins herrlich frische Wasser. Das erste richtige Bad erzeugt bei mir immer ein Glücksgefühl. Ein wenig rummelig war es hier und die Massaas-Frauen waren auch schon im Einsatz. Ich konnte gut lesen, rätseln und dösen.

Nach einer schönen Dusche zuhause machte ich mich gegen acht auf den Weg zum Leuchtturm Faros im Süden der Insel. Ich hielt oft an und erlebte tolle Ausblicke, sah viele neu gebaute Villen unterhalb des Kraterrandes und wunderte mich, wer das alles bezahlen sollte oder konnte. Vielleicht war ja O.Kahn hier gewesen (Weiter, immer weiter!). Kurz bevor die Sonne unterging, kehrte ich auf dem Rückweg im Aeolos ein, einem netten einsam gelegenen Restaurant mit interessanter Speisekarte und aß dann doch wieder Moschari Kokkinisto, versuchte mich an Sonnenuntergangsfotos und war schon zufrieden mit dem Tag.

Am Galinia sah ich, dass sich eine Tanzgruppe für ihren Auftritt umgezogen hatte. Als es dunkel war, hörte ich Musik aus dem Dorf unter uns. Ich fuhr eine dunkle Nebengasse in Richtung Kirche und hatte Glück. Es war das Kirchweihfest der Kirche Agia Theodosia von Akrotiri. Das ganze Dorf war auf den Beinen, es gab Suppe, Wein und Musik, und alle hatten gute Laune. Leider war ich noch so satt, dass ich nur den angebotenen Becher Wein trank. Schön, zu sehen, dass neben dem ganzen touristischen Rummel auf dieser Insel auch ein normales Leben mit seinen Festen stattfindet. Im Dunkeln fand ich zurück zum Wagen. Ein schöner Santorinitag ging auf dem Balkon mit einem Mythos  zuende.