Im Süden unterwegs

Der Morgen war schön. Ich schnappte meinen gelben Rucksack und ging am Strand entlang bis zum Autoverleih am Beginn der Paralia, wo ich am Vortag einen kleinen Wagen bestellt hatte. Er wurde gerade noch gereinigt, so dass ich erst mal frühstücken konnte. Näher als das Pipis war das Stavros direkt am Strand, wo es mir sofort gefiel. Die Bedienung war freundlich, das Brot, der Kaffee und die Eier schmeckten supergut.

Eigentlich war ich nach Sifnos gefahren, weil mich die Fotos der Panagia Chrissopigi schon immer begeistert hatten. Dort wollte ich heute hin. Die Straße führte von Kamares hoch nach Apollonia, der Inselhauptstadt. Über Kato Petali ging es erst mal nach Kastro. Schon von Weitem sah man das mächtige Kastell. Als ich gegen elf hoch fuhr, war der Straßenrand schon zugeparkt. Ich hatte Mühe, am Eingang zu wenden. Weit unten am Parkplatz verschob ich den Besuch im Inneren des Kastro auf avrio. Erst in Faros bemerkte ich, dass ich nun auch Epta Martires verpasst hatte.

Sifnos soll ja angeblich 365 Kirchen besitzen, aber auf dem Weg zu Chrissopigi wollte ich nicht umkehren.

Das kleine Fischerdorf Faros lag verträumt in der Mittagssonne. Als vom Hafen aus schon die schönste Kirche der Insel zu sehen war, setzte ich mich nicht auf einen Frappé in ein Kafeneion, sondern fuhr schnell hin.

Ich hatte Glück, auf dem Parkplatz standen nur vier Wagen und ein Motorroller. Der Blick von oben auf die Insel auf dem Felsen im blauen Meer erfüllte mich mit großer Freude. So ein Gefühl hatte ich lange nicht mehr an einem besonderen Ort gehabt. Beim Rundgang traf ich auf der Rückseite des Plateaus zwei junge Frauen aus dem Ruhrgebiet, die mit dem Roller von Plati Gialos hergekommen waren. Chrissopigi war ihr kultureller Höhepunkt der Reise, so ganz anders als ihr Badeort zum Relaxen. Aber auch Chrissopigi hatte gleich nebenan einen Strand. Am Apokofto waren sie noch nicht gewesen. Vielleicht avrio?

Also genoss ich die Ruhe und den Frieden der Panagia, als die beiden wieder an ihren Plati Gialos fuhren. Leider war die Kirche zu, als ich nach vorn kam. Dann sollte ich doch noch mal wiederkommen. Avrio entwickelte sich zum sifnischen Begriff.

Plati Gialos war ein langgezogenes Dorf mit kleinen Hotels, Tavernen und Cafes am gut besuchten Sandstrand. Da ich immer noch keinen Huger hatte, machte ich mich auf den Weg in das als idyllisch beschriebene Vathi an der Westküste.

Die Fahrt zog sich etwas. Ich war froh, als ich einen Platz für mein Auto im Schatten eines Baumes im eingezäunten Parkplatz vor dem Dorf fand. Ich nahm die Badesachen und den Rucksack und machte mich zu Fuß auf. Die Häuser waren nah ans Wasser gebaut worden. Also ging es barfuß weiter an der kleinen Taverne vorbei über den schmalen Kiesstreifen. Es war windig und ich wurde etwas nass.

Die kleine Kirche am nördlichen Ende der Bucht bot mir Schatten und Ruhe. Ich aß mein mitgenommenes Tyropita und sah, dass am südlichen Ende der Strand breiter war und Sand verhieß und Sonnendächer aus Schilf. Der Fußweg dorthin am Wasser entlang war noch beschwerlicher als der Hinweg. Bald erwischten die Wellen nicht nur meine Beine, sondern auch meine Shorts. Als ich näher zu den Liegen kam, las ich „12 Euro“. Ach ja! Dann lieber zurück durch die Hitze, nass war ich ja schon.

Als ich den Parkplatz verließ, hielt mich ein mittelalter Tramper an. Christophe kam aus der Nähe von Marseille und war von Faros nach Vathi gewandert. Nun wollte er nach Apollonia. Er war der erste Franzose auf meinen Reisen, der Englisch sprach, doch der Austausch über griechische Inseln mündete in der Erklärung, dass Korsika doch am allerschönsten wäre. Da war ich froh, dass ich ihn in Apollonia auf dem großen Parkplatz absetzen konnte, denn er hatte auch Hunger. Ich wollte nun ins Wasser, mich abkühlen und dann in Ruhe am Strand liegen. Dazu war Kamares gut geeignet. Fast wäre ich im Liegestuhl eingeschlafen.

Zuhause genoss ich nach dem Duschen Wind und Wellen von meiner Terrasse aus und schaffte wieder fünf Seiten meines Krimis. Dieses war kein Lesesommer, aber ein Geschmacksurlaub. Die Vorspeisen und das Moussaka schmeckten im Meropi am Abend an der Paralia sehr gut, die Bedienung war sehr aufmerksam, es war einfach schön dort.

Die Cafes waren leider voll, denn die Fußballfreaks hatten sie besetzt. Überall schauten Menschen in die eine oder die andere Richtung, denn an den Stirnseiten liefen die Bildschirme heiß. Ich versuchte es in den Strandcafes noch mal, doch auch dort gab es keine Ruhe vor der Fußball-WM.

Nur im Argiris schien der Fernseher drinnen zu hängen. Also setzte ich mich ans Wasser, bekam Kormos und Frappé und einen sifnischen Ouzo. Das Meer war laut, störte mich aber nicht, denn ich war müde und freute mich auf die Fahrt in den Norden.