Kamares

Sifnos hatte ich eigentlich ausgesucht, weil ich von Naxos aus Folegandros und eine zweite westliche Kykladeninsel besuchen wollte, und Milos kannte ich schon ein wenig. Ich steh zwar nicht so auf Kirchen und Klöster, doch die Bilder der Panagia Chrissopigi hatten es mir angetan. Verena hatte mir geraten, im Hafenort Kamares zu wohnen, was sich als richtige Entscheidung herausstellen sollte. Ich hatte mich schließlich ja auch in Katapola oder zuletzt in Agios Stavros sehr wohlgefühlt. Schiffe ankommen zu sehen mag ich nämlich sehr.

Wieder mal war es dunkel bei meiner Ankuft auf einer neuen Insel. Nach fünfzig Metern aber sah ich schon Antoni warten, der mich an der Paralia an den Cafes und Tavernen entlang auf die andere Seite der Bucht in den Ortsteil Agia Marina brachte und unterwegs anhielt und mir eine Treppe hinunter zu einer Taverne unterhalb der Straße zeigte, falls ich Hunger hätte. Wir fuhren etwas weiter und er bog bei Agia Anna links hinunter zu den Aglaia Studios. Das Zimmer lag am Ende der unteren Reihe und ich hatte freie Sicht auf die Lichter im Hafen. Auf dem Weg bemerkte ich, dass noch zwei weitere Fenster erleuchtet waren. Ich fand Wasser im Kühlschrank in meinem Zimmer, testete die Härte des Bettes und war zufrieden, setzte mich dann unter den Baum auf der Terrasse und genoss für einige Minuten die Stille und Schönheit des Augenblicks.

Es war noch warm, als ich im Dunkeln auf dem geteerten Fußband der Schotterstraße die Treppe hinunter zum Argiris fand. Die Taverne war um elf noch gut besucht. Zum großen Mythos nahm ich Bifteki in Rosmarinsauce und war glücklich, denn das Essen war lecker. Zum Nachtisch gab es vom Haus kühlen Jogurti mit etwas Honig und Limone. Langsam leerte sich das Lokal, die meisten gingen am Meer entlang zurück in Richtung Hafen. Weil ich müde war, verließ ich die Taverne schließlich auch und verbrachte in meinem neuen Zuhause eine angenehme Nacht.

Nach dem Aufstehen erkannte ich die Schönheit der großen Terrasse und sah aufs Meer und auf das erste ankommende Schiff.

Doch mein Hunger war bald so groß, dass ich mir den Rucksack nahm und loszog, einmal die Straßen um die Bucht herum bis in den Ort. Dort gab es im Pipis nicht nur Omelettes, sondern ich bekam ein gutes Frühstück mit Käse und Honig und Joghurt und Saft. Ich kaufte das Nötigste in dem kleinen Laden gegenüber ein, bummelte im Ort umher, schaute in einen Töpferladen und fand in einem Strandcafe eine Liege im Schatten und genoss den ersten sifnischen Frappé.

Dann zog ich meine Sachen aus und ging ins Meer. Das Wasser in der Hafenbucht war klar, doch es ging seicht hinein und ich brauchte einige Zeit, bis ich gut schwimmen konnnte. Es gab drei kleine Strandcafes nebeneinander, die gut besucht waren. Ich döste etwas, nahm englische und schwedische Stimmen wahr und machte mich gegen zwei am Strand entlang wieder zurück Richtung Zimmer. Sifnos war wärmer als Naxos und so hielt ich Siesta. Um fünf hatte der Wind aufgefrischt, dazu war es bewölkt. Ich sah, wie Antoni den Wassereinstieg unterhalb der Studios nutzte, um sich abzukühlen. Das verschob ich für mich auf den nächsten Tag. Was für ein herrlicher Fleck war das hier! Gegen halb sieben verschwand dann die Sonne, die doch wieder herausgekommen war, hinter dem Berg.

Ich war zu faul, in der Wärme noch mal in den Hafen zu laufen. Da es mir am Vorabend gut geschmeckt hatte, wollte ich statt der sicheren Nummer mit den seit Jahren nicht mehr gegessenen Bifteki das Inselgericht Revithia probieren. Stergios lächelte etwas, als ich meine Bestellung aufgab. Der Kichererbseneintopf kam in einem sifnischen Tonteller und ich hatte Mühe, alles zu schaffen. Ich ließ etwas über, und er kam sofort an den Tisch mit der Frage: Ouzo? An dem Ouzo hielt ich mich etwas fest und sah den Wellen zu, die vom Wind auf den kleinen Weg vorm Argiris geworfen wurden. Dann noch einen Espresso, eine Ruheviertelstunde auf meiner Terrasse mit Blick aufs dunkle Meer und ich konnte wieder gut schlafen.