Von Arkadien nach Lakonien

Auf der Peloponnes hat uns wegen der vielen verschiedenen Möglichkeiten, sich zu erholen, gut zu essen und Kultur zu erleben, die Argolis schon immer begeistert: Nauplion, Epidaurus, Drepanon, Ermioni und Porto Heli fanden wir interessant. Außerdem bot Ermioni die Möglichkeit, die Saronischen Inseln Hydra, Poros und Spetses immer mal schnell besuchenzu können. Wir hätten gern in einem früheren Jahr, wie auf älteren Karten eingezeichnet, mit einem Schiff von Porto Heli nach Plaka übergesetzt, doch die Linie war seit Jahren schon eingestellt. So nahmen wir Ende Juni über Argos kommend als Erstes die Küstenstraße am Argolischen Golf nach Süden immer Richtung Mani, um neue ruhige Orte zu erkunden. Paralia Astros war in den Foren gelobt worden, doch es war uns zu voll und reizte uns nicht so. Romy hatte gemailt, dass Paralia Tyros viel angenehmer und ruhiger wäre, und so fuhren wir, etwas müde schon, weiter und hatten auf der Straße hoch über dem Meer schöne Ausblicke auf kleine einsame Strände. Abends fanden wir nicht direkt an der lang gezogenen Bucht, sondern mitten im Ort über der Bank ein kleines Zimmer, was von einer jungen schwangeren Frau vermietet wurde.

Schwangerschaft war in Tyros das Thema. Natürlich bekam die junge Frau Besuch von anderen schwangeren Frauen und auch im Ort fanden wir junge Griechinnen mit sehr gesunden, strahlenden Gesichtern und später in Leonidion auch. Ein verrückter Schwangerenfrühsommer in Arkadien. Am nächsten Tag erfuhren wir mehrere kleine Kieselstrände im Süden, alle einsam und verlassen, auch die weiter nördlich gelegenen lockten zu keinem zweiten Besuch, so blieben wir schließlich am Ortsstrand von Tyros im Wasser und im Schatten, sahen den Kindern zu und einer Schwangeren und genossen abends leckeres Essen bei Kosta in der Mitte der großen Bucht. Da war dann doch einiges los im Ort, dessen Bäcker früh morgens sogar dunkles Brot für uns hatte.

Nach zwei ruhigen Nächten steuerten wir Plaka an, den Hafen von Leonidion und fuhren in eine fruchtbare Ebene mit Gewächshäusern ein, die Straße führte durch ein breites leeres Flussbett, und dann eine lange Allee von Eukalyptusbäumen hinunter bis zu dem kleinen Ort mit Hafen. Bei Nikos fanden wir an der Uferstraße eine größere Wohnung – mit vielen Mücken – klar, in einer fruchtbaren Gegend. Abends waren wir im Delphini bei Theodorus essen und bewunderten seine silbernen Karaffen mit dem eiskalten Wasser, „die es sonst nur noch in Athen gäbe“. Die Bucht am Hafen hatte nur am äußersten Ende etwas Schatten am Vormittag. Wenige Gäste besuchten den kleinen verschlafenen Ort. Der winzige Laden bekam erst gegen 10 Uhr frisches Brot, also fuhren wir auch mal hinein nach Leonidion. Kleine enge Straßen im Stadtkern, alte graue Häuser, irgendwie noch im mittleren 20.Jahrhundert. Etwas südlicher von Plaka in Poulithra war mehr Betrieb am Strand. Es gab kleine Hotels und Pensionen und griechische Touristen. Zum Essen waren wir dann doch wieder bei Theodorus, er hatte einen leckeren Artischockeneintopf. Die wuchsen in der Ebene fast überall, wie wir bei der Weiterfahrt mitten durch das Obst- und Gemüsegebiet mitbekamen.

Von Leonidion aus ging es in Berge. Durch das kleine Kosmas hindurch, über einen Marktplatz mit gut besuchten Kafeneions im Schritttempo hinein nach Lakonien und an Geraki vorbei über Molai bis hin nach Monemvasia, wo der große Klotz im Wasser unser Ziel sein sollte. Wir fanden eine (zu) teuere Wohnung etwas oberhalb im Ort mit schönem Blick und gingen Moussaka essen am Hafen direkt gegenüber des Dammes, der hinüber führt zur etwas versteckten Altstadt.

Im Süden fanden wir am Ampelaki Beach einen ruhigen Sandstrand und erholten uns von Fahrt und Zimmersuche. Abends besuchten wir die Altstadt und gingen durch das Tor in eine mittelalterliche Welt. Das Matoula war gut besucht, wir bekamen den letzten Tisch für zwei, das Moschari und der Krasi waren lecker und auch der Preis überraschte angenehm. Doch das sollten die letzten positiven Eindrücke von Monemvasia gewesen sein. Die Nacht mit Hunderten von Mücken in einer neuen Wohnung war furchtbar. Wir kamen nicht zum Schlafen und verließen am Morgen Monemvasia fluchtartig, was der vermietende Opa völlig verständnislos und mit deutlichem Kopfschütteln unter Hinzuholen der halben Verwandtschaft und Bekanntschaft quittierte. Moskitos in Monemvasia? Niemals. Tipota. Mittags waren wir in Neapolis, einer ganz anderen Stadt, zum Glück mit einem Fähranleger nach Kythira. Dort begannen wir uns dann zu erholen.

2010