Frühjahrsbesuch in Nikiti

Gegen 10 waren wir Anfang April früh morgens in Thessaloniki gelandet, es war genau so ein kalter grauer Vormittag wie in Deutschland. Gegen Mittag saßen wir draußen vorm Antigoni am Anleger in Nikiti und aßen Suflaki. Auf der Hinfahrt hatten wir festgestellt, dass die Taverne Sonja hinter Metamorphosis etwas verlassen noch im Winterschlaf lag. Schade. Nach dem Essen wurde es etwas wärmer. Wir nahmen ein Zimmer bei Petros, der sich freute über so frühe Gäste.

Am Kalogrias Beach schien dann die Sonne, es wurde wärmer und unsere Laune stieg. Da ich zu Hause meine Sonnenbrille im Auto vergessen hatte, machten wir einen Abstecher nach Neos Marmaras. Drei Läden hatten offen, und Sonnenbrillen gab es auch, doch der Ort wirkte staubig, zerlumpt, die Straße war aufgerissen. Der Ort schien zu warten. Was hatte er im Sommer abends manchmal für ein Flair gehabt! Die Bootslinie zu Porto Carras war natürlich auch nicht in Betrieb. Also lieber hinauf in den Berg, um das (früher) verlassene Dorf Parthenonas zu besuchen. Es war wieder belebt, nur die Taverne beim Popen war leider noch nicht offen. Im Antigoni gab es abends drinnen bei Kaminfeuer Kalamari und Retsina. Wenigstens etwas.

Am nächsten Morgen machten wir die Fingerrundreise mit dem Uhrzeigersinn. Am Karidi Beach in Vourvourou war es sonnig, wir lagen auf der Decke und tankten Luft und Meer und Erinnerungen. Außer uns war niemand da. Dann fuhren wir bis Sarti alle Buchten ab, was früher im Sommer kaum möglich gewesen war, da die Fahrzeuge bis hoch zur Straße alles zugeparkt hatten. Vom Hocker rissen uns die Strände nicht, alles wirkte unaufgeräumt. Auch Sarti war leer und an das Mittagessen dort erinnern wir uns besser nicht. Na ja, April eben und Sarti! Ich bin immer erstaunt, wie viele Freunde dieses Nest hat!

Um die Ecke herum, kurz ins leere Kalamitsi und dann in einen unserer Lieblingsorte, das kleine Porto Koufo. Am Hafen in der Sonne den ersten richtig guten Frappè. Am Kalogrias hatte es viel Sonne. Der Strand und der Blick auf Kassandra taten uns gut. Abends hatte nur das Antigoni wieder offen. Es gab sogar „Schnitzel für die Deutschen“. Warum eigentlich? Dann betrat Nikos die Taverne, der nette freundliche Gärtner aus dem Porfi Beach vor 10 Jahren. Ungläubige Blicke. Er war es! Da musste erst mal Ouzo fließen. Griechenland bietet immer wieder noch nette Überraschungen. Er arbeitet nun in einem anderen Hotel. Seine Handbewegung auf die Nachfrage zum Porfi ersparte die Antwort. Wir tranken lieber noch einen.

Am nächsten Morgen starteten wir zur kleinen Griechenland-Rundfahrt über Meteora, Nikiti, Gialtra, das Tembital und Platamon. Wir blieben nirgendwo sehr lange, Wiesen und Wälder hatten saftiges Grün, gelbe und rote Blumen blühten überall. Die Natur strotzte. Die Menschen trugen Anoraks und wirkten abwesend. Euböa hatte Regen für uns zur Begrüßung. Schön, dass immer noch Schlüssel für uns parat lagen und wir kommen konnten, wann wir wollten, obwohl niemand im Haus war.

Auch Petros hatte den Schlüssel einfach stecken gelassen, als wir wieder nachmittags in Nikiti nach einem längeren Stau auf der Ringautobahn um Thessaloniki ankamen und er natürlich nicht da war. Warum auch? Es war wieder kühl geworden, aber die Heizung funktionierte. Im Antigoni rätselten sie, wo wir die Abende davor essen gewesen waren. Wir nannten spaßeshalber mal Kalambaka und Limni und sie grinsten und glaubten uns natürlich nicht. Es gab leckeres Imam und kühles Mythos und Retsina und Ouzo und wir fielen müde in die Betten.

Am nächsten Tag war die Sonne wieder da. Ich bekam nach einem Fuß- und Sonnenbad am Karidi Beach einen leichten Sonnenbrand trotz Sonnenschutz. Vielleicht war ich einfach weggedöst, als Ramona spazieren gewesen war, und hatte vom Sommer geträumt und festgefahrenen Wagen im Sand und Kringelverkäufern und eiskaltem Frappè in kleinen Behelfskühltaschen. In Ormos Panagias lagen die großen Athosschiffe und träumten bestimmt auch schon vom Sommer. Es gab in der Taverne keinen Zaziki. Man glaubt es nicht. Die erste Taverne in hundert Jahren Griechenland ohne Zaziki. Da essen wir nie wieder. Der Name bleibt geheim.

Am Morgen brachen wir bei Petros auf und machten einen Schlenker nach Siviri auf Kassandra zum Gedenken an die Siebziger. Das Meer war wild und hatte hohen Wellengang. Es war eben erst Frühling. In Thessaloniki gab es schon keinen roten Klatschmohn mehr.

2009